Wenn Zwerge Busse führen…

Die ewige Geschichte, der ÖPNV – öffentlicher Personen Nahverkehr. Bin ja immer wieder einmal darauf eingegangen, meist kam der Münchner MVV dabei nicht gut weg. Was ich dann gestern aber erleben durfte, war dann doch der Gipfel.

Friedlich und nichts böses im Sinn habend stand ich also an einer Bushaltestelle in Ottobrunn. Genauer gesagt an der Haltestelle Ortsmitte in Richtung Neuperlach-Süd. Der Bus der Linie 210 die im 10-Minuten-Takt verkehrt kam sogar pünktlich. Möglicherweise lag es daran, das der Fahrer des Busses den Verkehr vor sich hertrieb, ganz wie ein Cowboy seine Kuhherde auf der Weide. Schließlich kam er mit Lichthupe und geräuschvollem Signalhorn daher gebraust. Gut, gehen wir mal davon aus, dass er bis gestern noch bei der Feuerwehr gearbeitet hat und es gewohnt ist, so zu fahren. Das der Verkehr alledings keinerlei Möglichkeit hergab, dem Bus auch nur im Ansatz genügend Platz zu machen, das dieser in die Haltestellenbucht einfahren konnte, spielte für den Fahrer wohl eher eine Nebenrolle. Endlich wurde es an der nahgelegenen Ampel grün, der Verkehr verkehrte wieder und der Bus rollte ganz gemächlich in die Haltebucht, stoppte und rollte weiter, stoppte wieder um dann wieder etwas weiter zu rollen. Nachdem dann ein älterer Mann mit seinem Gehstock kräftig gegen die Seitenscheiben des Busses schlug, hielt dieser sogar vollständig an und die Türen ließen sich öffnen. Aber die sollten nicht lang offen bleiben, schon gar nicht so lange, bis eine Mutter den Kinderwagen in den Bus geschafft hatte, geschweige denn selbst eingestiegen war. Ja, ihr lest richtig, die Türen schlossen sich in dem Moment, in dem der Kinderwagen mit den vorderen Rädern im Bus und mit den hinteren noch draussen war. Einige recht laute Rufe Richtung Fahrer konnten wohl verhindern, dass dieser versuchte loszufahren. Hier mal einen Dank an die Technik, die bei modernen Bussen verhindert, das sie mit offenen Türen anfahren können!

Die Frau hatte es dann also doch noch in den Bus geschafft und ganz in der Tradition von Formel 1 Fahrern trat der Fahrer das Gaspedal durch, ein Ruck ging durch den Bus und wer sich nicht rechtzeitig festhalten konnte, fand sich Augenblicke später innen an der Heckscheibe klebend wieder. Das war aber nicht weiter tragisch, den kurz darauf wurde die nächste Hlatestelle angesteuert und diejenigen, die noch immer keinen Halt fanden, schossen nun durch den Bus in Richtung Windschutzscheibe. Wären da nicht Einsteigende gewesen, die den Weg versperrten, hätte man sich wohl Sorgen über das verbaute Verbundglas machen müssen.

Unbeirrt ob der Meckereien ging es im gleichen Fahrstil weiter und der Fahrer hatte wohl seinen Spaß daran, möglich unkomfortabel das Fahrzeug zu führen. An der letzten Haltestelle vor dem Ziel zeigte sich, dass der Fahrer wohl noch einen Nebenjob als Sadist haben muss. Zielgerecht steuerte er die Haltebucht mit obligatorischer Vollbremsung an und hielt an. Die dort an der Haltestelle wartende Frau ging auf eine der Türen zu und wollte den Türöffner betätigen. Tja, wollte, denn der Fahrer machte sich einen Spaß daraus etwas vorwärts zu rollen. Die Frau draussen läuft also der Tür nach, streckt ihren Arm nach dem Türöffner aus und… genau, verfehlt ihn, weil der Fahrer den Bus wieder etwas vor rollen ließ. Die Frau draussen rollte ebenfalls und zwar mit den Augen. Erneut die Tür erreicht hatte der Fahrer wohl dann den Eindruck der halb leere Bus wäre bereits mehr als ausgelastet und fuhr kurzerhand – natürlich mit durchgetretenem Gaspedal – los ohne die Frau zusteigen zu lassen. Protestrufe der Fahrgäste ignorierte er vollends.

Kurz vor der Endhaltestelle dann konnte ich von meiner Position aus sehen, das ein Fahrzeug voraus den Blinker setzte, verlangsamte und letztlich stehen blieb. Die Rückfahrscheinwerfer gingen an und offenbar wollte der Fahrzeugführer rückwärts in eine Parklücke einparken. Wie erwähnt, das konnte ich aus dem hinteren Teil des Busses beobachten. Weiter vorn, also genaugenommen ganz vorn, vom Fahrersitz aus, muss das völlig anders gewirkt haben. Denn mit unverminderter Geschwindigkeit hielt der Bus auf das inzwischen Rückwärts fahrende Fahrzeug zu. Ich ahnte, was geschehen würde und krallte mich mit Händen, Füßen und Zähnen ein, wo es nur ging. Keine Millisekunde zu früh, meine Vorahnung war richtig: Vollbremsung mit dauerbeschallung des Signalhorn. Ich vermute mal, dass zwischen Bus und Smart kein Blatt Papier mehr gepasst hätte. Jedenfalls war von meiner Position aus von dem Smart nichts mehr zu sehen. Gut, zugegeben, wenn ich im Straßenverkehr nicht aufpasse, kann es schon mal vorkommen, das ich versehentlich auf einen Smart drauf trete. Die sind aber auch leicht zu übersehen. Der Fahrer des Busses blieb stur wie gehabt und wich keinen Millimeter zurück. Das hatte zur Folge, das der Smart weiterfuhr und wieder in mein Blickfeld geriet, offenbar unverletzt.

Dann endlich an der Endhaltestelle Neuperlach-Süd angekommen, öffnete der Fahrer zunächst nur die mittlere Tür, Protestrufe erneut zunächst ignorierend bis dann die vordere Tür noch geöffnet wurde. Ganz wie bei der Costa Concordia verließ der Kapitän dann als erstes das Fahrzeug. Jetzt erkannte ich den Grund der Eile, er musste mal. Und zwar dringend! Dringend rauchen.

Ich konnte es mir nicht verkneifen ihm zu raten den Beruf zu wechseln. Idiot wäre passend, da müsste er nicht einmal umschulen. Der Blick des ca. 1,50 niedrigen Mannes: unbezahlbar.

Kommt gut ins Wochenende und

bitte bleibt mir gewogen!

Euer Marcus Sammet

 

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