Sneller!

Kinder. Diese kleinen unschuldig denkenden Wesen. Sorgen bei mir neuerdings im Bus auf dem Heimweg immer wieder für gute Unterhaltung. Nachdem letzten schon eins sich über das Fahrverhalten von Frauen geäußert hatte, kam es jetzt erneut zu einem Lacher für alle Fahrgäste im Bus.

Schon an der Anfangsstation stieg eine junge Mutter mit ihrem Sohn ein. Ich tippe auf 4 oder 5 Jahre alt. Noch während das Multipersonenbeförderungsmittel auf seinen Abfahrtstermin wartete, oder eher der Fahrer dieses Fortbewegungsmittels, quengelte der Kleine: „Sneller! Der soll sneller fahren. Sneller!“ Seine Mama wies ihn darauf hin, dass der Bus noch garnicht fahren würde und es noch ein paar Minuten dauern würde. Das quitierte der kurze mit „Ich will aber, das der sneller fährt.“ Da ihm auch das Wort zu gefallen schien, wiederholte er es. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern in Dauerschleife. „Sneller, Sneller!“

Endlich startete der Fahrer den Motor, das Beförderungsmittel meiner Wahl setzte sich in Bewegung, nur um nach wenigen Meter an einer Ampel wieder anzuhalten. Quengeln hinter mir: „Warum fährt der nicht sneller! Sneller! Der soll sneller fahren!“ Seine gesetzmäßige und wohl auch den Naturgesetzen geschuldete Aufsichtsperson wies den Dreikäsehoch darauf hin, das die Ampel rot sei und deswegen der Fahrer nicht fahren darf.

„Ist doch egal, der soll sneller fahren. Snelller!“

So langsam nervte die ständige Wiederholung des Wortes Sneller nicht nur mich. In meinem Blickfeld sahen sich fast alle nach der Quelle des Wortübels um. Menschen in dem Alter neigen noch dazu, nicht unbedingt leise zu sprechen. Schon gar nicht so, das es möglicherweise nur die Person mitbekommt, für die es bestimmt ist. Davon unbeeindruckt maulte der Kleine an der nächsten Haltestelle munter weiter, warum „Der“ denn nicht schneller fährt. Verkehrsbedingt ging es leider nur im Schneckentempo voran, was dazu führte, das dieser Geschwindigkeitsjunkie immer mehr, immer lauter nach mehr Tempo bettelte. Endlich kam ein Stück Straße, das zuließ, die Geschwindigkeit für ein oder zwei Minuten auf rund 50 km/h zu beschleunigen. Dennoch tönte es irgendwo hiinter mir: „Sneller, der soll sneller fahren!“. Erneut wurde unser Freund des Geschwindigkeitsrausches darauf hingewiesen, das es Verkehrsregeln gibt, die es einzuhalten gilt. „Der Busfahrer kann nicht schneller fahren.“ 

Allerdings wusste der junge Rennfahrer das genauer. „Doch, das Assloch muss nur auf Gas treten“. Für einen Moment wurde es still im Fahrzeug. Die Mutter rang ebenfalls etwas um Luft, bevor sie mit Entsetzen ihren Sohn scharf ansprach: „Sag mal, geht’s noch? Sowas darf man nicht sagen! Wo hast denn das her?“. Ganz unschuldig tönte es aus dem Zwerg: „Sagt die Oma doch auch immer.“ Fast noch entsetzter als zuvor, hakte seine Erzeugerin nach: „Oma? Wann sagt Oma so was?“ „An der Ampel und am Kindergarten.“

Die Aussage sorgte für einen Lacher im ganzen Bus, leider musste ich aussteigen und weiß daher nicht, wie die Geschichte endete. Aber ich bin sicher, Oma kann sich von ihrer Tochter noch was anhören.

Früher fuhr die Oma im Hühnerstall Motorrad. Heute wohl Rennwagen in der 30 km/h Zone. Die Zeiten ändern sich.

Bitte bleibt mir gewogen!

Euer
Marcus Sammet

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