Life of Brian live

Morgens um 6:30 Uhr am Hauptbahnhof in München. Schon die Fahrt dorthin erinnerte an die Geisterbahn. Ist ja nicht weiter schlimm, erlebe ich jeden Tag und kann mich nicht mehr erschrecken. Doch heute war ich etwas später unterwegs. Die Nacht war kurz für mich, weil ich mitten in der Nacht aufstand um nach dem sogenannten Erdbeermond zu sehen, was wegen geschlossener Wolkendecke ausfiel. Aber es war Vollmond, was sich dann am Hauptbahnhof deutlich zeigte. Bereits am Ende der Rolltreppe stand ein kleines blaues Männchen mit einem imaginären Zähler in der Hand und klickte diesen fleißig mit seinem realen Daumen. Dabei gab er laut und deutlich bei jedem Daumendruck auf den eingebildeten Zähler ein „Klick“ von sich. Fahrgastzählung mal anders. Nicht viel weiter stand ein recht dunkelhäutiger Mann in eine Art Bettbezug gewickelt und spielte mit seinem eingebildetem Jojo. So wie der sich gefreut hat, war er wohl ziemlich gut dabei. Wieder nur ein paar Schritte weiter stand ein ebenso dunkelhäutiger Mann und erklärte an einer nur in seiner Vorstellung existierenden Maschine seinem ebenso nur in seiner Einbildung anwesendem Freund die funktionsweise dieses Apparates. Glücklicherweise auf deutsch, so wusste ich dann auch, das jenes Schwungrad dafür sorgte, das jenes Zahnrad ein weiteres größeres antrieb, dessen Welle seinerseits einen kleinen Riemen… ich war außer Hörweite, denn so technisches interessiert mich so früh noch nicht. Kurz vor meinem Ziel kam ich an einem jungen Mädchen vorbei, das auf einem umgedrehten, blauen Flaschenträger mit dem Gesicht zur Wand eben dieser zu erklären versuchte, warum es doch unverschämt von ihr sei, ausgerechnet dort errichtet worden zu sein.

Leute, glaubt mir, ich hab jetzt auf den Klassiker gewartet, einem Mann mit langem Bart, der einem sehr kleinen Publikum erklären wollte, was es mit der verwirrten Verwirrung auf sich hat. Leider wurde ich enttäuscht, dafür sah ich die Dame von letzter Woche wieder, die in exakt der gleichen Kleidung nach wie vor schwankend vor dem Eingang einer Supermarktkette auf die Öffnung der Türen wartete.

Um von dem Untergeschoss ins Freie zu gelangen muss ich eine Treppe herauf gehen. Auf dieser Treppe überholte ich ein männliches Wesen das zwei Stufen herauf und dann wieder eine Stufe herunter stieg. Dieser Mann trug seinen Rucksack vor dem Bauch und brabbelte irgendetwas für mich unverständliches hin. Oben an der Treppe angekommen sah ich noch mal zurück zu ihm und erntete einen recht bösen Blick des jetzt stehenden Rucksack-vor-dem-Bauch-Trägers.

Erdbeermond? Nicht zu sehen, aber offenbar hat der doch einige ziemlich irritiert.

Passt auf euch auf und mir bleibt bitte gewogen!

Euer
Marcus Sammet

 

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