Weg da, ICH bin jetzt da

Wer kennt das auch? Übersteigertes Ego diverser Menschen um einen herum. Das fängt schon bei den ganz Kleinen an und hört bei den ganz Alten sicher nicht auf. Bei Gesprächen, beim einkaufen, im Schwimmbad sowie im Straßenverkehr. Anstand? Regeln? Nur für die anderen, ICH bin ja ich und das muss ja wohl jeder andere einsehen und verstehen

Schon mal erlebt? Beim Einkauf im Supermarkt kurz vor Feierabend? Die Frischeprodukte ziemlich leer geräumt. Da liegt sie, die letzte Packung Grillfleisch. Froh und beinahe glücklich darüber noch eine zu ergattern, legt man sie in den Einkaufswagen und sucht nach weiteren Produkten, die den Grillabend abrunden sollen. Hier und da noch schnell was in den Wagen getan und weiter. Dann der Schreck, noch was vergessen. Also kurz den Wagen stehen lassen und den ganz zurück um dem Abend den letzten Schliff zu verpassen. Dann der Moment, wo alles brav auf das Förderband an der Kasse gelegt wird. Schmunzelnd bemerkt man noch, dass der Vordermann offenbar die vorletzte Packung des begehrten Grillgutes eingepackt hat. Vorletzte? Moment mal! Im eigenen Wagen fehlt die vermeintliche Gaumenfreude. Ein fragendender Blick zum Vordermann und sein Grinsen sagt schon alles. Noch bevor man selbst etwas einwenden könnte, hat die hektische Kassiererin (auch das kennt ihr sicher: Schneller gescannt als die Waren zurück in den Wagen können.) schon eingebont. Dazu noch ein lockerer Spruch von Mr. Über-Ego: „Was noch nicht bezahlt ist, gehört dem Geschäft. Pech.“

Das Gedrängel im Straßenverkehr hat wohl auch jeder schon erlebt. Egal ob Stadtverkehr oder Autobahn. Mal eben ohne orange blinkende Vorwarnung aus der Parklücke ziehen oder die Spur wechseln, auch mal eben noch bei dunkel-rot über die Kreuzung brettern. Ganz egal, ICH bin ja unterwegs. Parkplatzsuche leicht gemacht. ICH will ja nur kurz zwei Stunden einkaufen, da geht auch mal so ein herrlich bequembreiter Behindertenparkplatz. Muss ICH mich nicht abquälen um zwischen zu eng abgestellten Fahrzeugen in Auto zu kommen. Schwer- bzw. Gehbehindert? Wenn der nicht gehen kann, dann soll der das Fahren auch lassen. Den Parkplatz kann ich ohnehin besser gebrauchen. So oder so ähnlich müssen wohl die meisten denken, die solche Parkplätze unberechtigt zustellen.

Auch gern genommen ist die Gesprächsführung bei Unterhaltungen mit Kollegen oder Freunden. Da wird reingequatscht, ganz egal ob der Einwand nun zum Thema passt oder Mr. Ego meint, dass sein Bedürfnis nach Information über die nächste Paarungszeit von mitteleuropäischen Glühwürmchen wichtiger ist. Es interessiert Mr. Ego einfach nicht, dass er stört. Ganz im Gegenteil, die, die ihm nicht umgehend Rede und Antwort stehen sind die, die stören.

Doch wie ich darauf komme, über dieses Thema zu bloggen? Am Wochenende ist einfach das Schwimmbecken übergelaufen. Die Woche über hatte ich mich schon gefreut mit meinem Schatz ein paar entspannende Stunden in einer Therme unweit unseres heimischen Sofas zu verbringen. Alles gut soweit, diverse Becken sind bestimmten Themenbereichen zugeordnet. Sollen sie sich alle gut unterhalten, meinethalber auch so, dass sie im Nachbarort noch zu hören sind. Mir sind diverse Wassermassagendüsen wichtig und die Möglichkeit auf whirlpoolgleichen Unterwasserliegen zu entspannen. Doch da war dann dieser eine Bereich. Dieser Bereich, der rein für Entspannung gemacht wurde. Sogar am Eingang steht noch ein Schild – leider nur in deutsch – das hier ein Ort der Ruhe ist. Normal ist hier ein Ort der absoluten Ruhe. Sanfte Musik und ein leichter Duft von Lavendel ließ uns bisher immer sehr schnell abschalten und ein wenig im sanft welligen Wasser schweben. Diesmal nicht. Dieses Mal hockt schon im Eingangsbereich eine Gruppe von nicht mehr ganz Jugendlichen, die sich sehr angeregt und laut unterhalten. Nun gut, Stimmen alleine nerven mich jetzt nicht so, wenn das ganze dann noch zu einem unverständlichen Hörbrei verquirlt sowieso nicht. Doch damit nicht genug. Quietschende und kreischende Kinder toben durch das sonst ruhige Wasser. Opa, Oma, Bruder, Tante, Papa, Mama und wer sonst noch machen fröhlich mit. Diverse böse Blicke mit an den Lippen gehobenem Zeigefinger werden mit einem unverständnisvollen Kopfschütteln quittiert. Wie kann ich es auch wagen, hier im Ruhe- und Entspannungsbereich meine wohltuende Stille haben zu wollen. Wo doch Mr. und Mrs. Ego hier gerade so toll Spaß haben.

Immer und immer wieder klingt ein Lied aus den 80’ern in meinen Ohren. Von der Gruppe „Die Prinzen“ nämlich der Titel „Schwein sein“.

Nun, eins ist wohl sicher, denkt jeder an sich selbst ist an jeden gedacht.

In diesem Sinne, bitte bleibt mir gewogen!

Euer
Marcus Sammet

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Ein Kommentar zu Weg da, ICH bin jetzt da

  1. Ina Simon sagt:

    Boah, das kenne ich. Mich nerven die Egoisten auch ohne Ende. Erst gestern Abend, kurz nach 20 Uhr, etwas abgespannt von einer super schönen aber anstrengenden Dienstreise überholt mich bei Tempo 60 im Stadtverkehr ein Mercedes-Caprio mit ca. doppelter Geschwindigkeit. Um an der roten Ampel – die km-weit vorher zu erkennen war kurz vorher in die richtige Spur zu wechseln schert der Depp einige cm vor mir ein, so dass ich eine Vollbremsung hinlegen muss. Leider hatte sein Auto zwar offensichtlich ein Gaspedal, aber leider keinen Blinker. Solche Typen (dumm UND aggressiv) gehen mir echt auf den Zeiger.
    Übrigens ist in der aktuellen „Psychologie heute“ das Titelthema der Umgang mit Narzissten

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