Verdient

ein Autor nicht Unsummen mit seinen Büchern?

So dann und wann kam es vor, das ich darauf angesprochen wurde, ob ich nebenbei noch arbeiten gehe. Nebenbei? Diese Frage musste ich erst einmal umstellen, die Frage ist, warum ich nebenbei schreibe.
Auch werde ich immer wieder von Buchbloggern nach Freiexemplaren gefragt. Viele davon kommen mit „Ich stehe noch am Anfang mit meinem Blog, kann es mir nicht leisten, Bücher zu kaufen. Aber Dir ist es sicher Wert, mir ein Buch für eine Rezension zu überlassen.“ – Manchmal mit dem Zusatz: „Verdienst doch so viel mit dem Verkauf.“

Zwei Kernfragen. Warum schreibe ich neben der Arbeit und nicht andersherum?
Ganz einfach, ich bin kein berühmter Autor der bei einem großen Publikumsverlag unter Vertrag steht. Meine Tantiemen decken in etwa meine Kosten für meine Bücher.
Warum verschenke ich nur noch sehr selten Bücher an Blogger? Weil der Masse nicht zu vertrauen ist. Allerdings habe ich sehr gute Erfahrungen mit seriösen Buch-Bloggern bzw. Boch-Bloggerinnen gemacht. Daher schaue ich mir die Bücherblogs inzwischen sehr genau an, bevor ich ein Buch kostenlos verschicke.
Anderen Autoren sei gesagt, die seriösen Bücherblogs sind wichtig. Meist habe ich einen Zusammenhang von Buchbesprechung und Verkauf des besprochenen Buchs festgestellt.

Um die Frage vom Anfang zu beantworten: Nein, nicht automatisch.

Als wohl eher unbekannter Autor habe ich natürlich noch keine Tausende Bücher verkauft. Selbst 1000 würden mich noch nicht zu einem hauptberuflichen Autor machen. Warum ist das so? Mein Buch kostet doch rund 12€, das ist doch viel Geld, das in meine Taschen wandert. Das liegt daran, das die 12€ nicht für mich sind. An den 12€ verdient zunächst der Staat mit derzeit 7% MwSt auf Printmedien. Dann kommt der Buchhandel, der für seine Dienstleistung mein Buch für den Leser zu bestellen und auszuhändigen bis zu 30% vom Netto-Verkaufspreis haben mag. Meist bestellt der Buchhändler nicht direkt beim Verlag sondern bei seinem Großhändler, der in der Regel die elektronische Bestellung aus der Buchhandlung an den Verlag (ebenfalls elektronisch) weiter gibt. Dafür verlangt der Großhändler nicht nur generell vom Verlag einen Obulus pro Jahr, sondern auch rund 50% vom Netto-Verkaufspreis. Wer hat mitgerechnet? Buchhandel 30% + Großhändler 50% = 80%. Was bleibt? 20% die sich Autor und Verlag teilen. manchmal etwas mehr, weil die Zahlen Buchhandel und Großhandel „bis zu“ Zahlen sind.
Aber Amazon, da wird doch direkt verkauft! – Ja, nettes Argument. Glaubt ihr wirklich, Amazon macht das aus Nächstenliebe? Auch die wollen bezahlt werden und halten die Hand auf. Dadurch das Amazon den Großhändler ausfallen lässt, wird dort zwar weniger verlangt, macht aber immer noch einen Großteil vom Kuchen aus.

Nächstes Argument des Lesers: „Du bist doch Selfpublisher, machst doch jetzt bei Amazon Create Space alles selbst.“
Stimmt soweit, Amazon Create Space ist zwar kostenlos aber nicht umsonst. Wenn ich mein Buch dort drucken und an mich liefern lasse, kostet mich das schon Einiges. Dazu dann mein Aufwand an Porto, Briefumschläge und nicht zuletzt auch Zeit. Zeit? ‚Die hast doch sowieso.‘ Falsch gedacht, denn diese Zeit ist Arbeitszeit und jetzt überlegt mal, was ihr von eurem Arbeitgeber für einen Stundenlohn bekommt. Selbst diesen ganz unten kalkuliert geht das doch in die Rechnung ein. Kosten für die Werbung kommen ebenfalls noch dazu. Selbst wenn ich alles allein mache und Werbematerial selbst erstelle und drucke, so kostet auch das Zeit, Tinte, Papier etc. Meine Zeit für das Schreiben des Buches kalkuliere ich da auch mit ein. Denn ich muss zugeben, ich mag irgendwann mit meinen Büchern auch Geld verdienen. Als Selfpublisher kommt noch Anderes dazu, ohne das ein professionell gestaltetes Buch nicht auskommt. Es muss lektoriert werden. Gebe ich es an Dienstleister ab, kommen da schnell 1500,00 € und mehr zusammen. Glücklicherweise habe ich einen Profi an meiner Seite. Sie übernimmt auch das Layout und die Covergestaltung. Das nimmt alles viel Zeit in Anspruch, die zwar unter uns nicht monetarisiert wird, aber doch in die Kalkulation für den Buchpreis einfließen muss. An dieser Stelle ein mehr als herzliches Danke schön an Brigitte Mitterrutzner.

Jetzt kann ich die Frage direkt hören, warum schreibst du dann überhaupt?
Weil es mir Spaß macht, weil ich mich daran erfreue, wenn ich den Leser gut unterhalten konnte.

Fazit: Ich verdiene am Buch. An jedem Einzelnen. Doch der Verdienst liegt im Cent-Bereich und da mag die Steuer auch noch was von haben. Aber es macht Spaß, sehr viel Spaß. Es ist toll, wenn ich positive und auch negative Rückmeldungen bekomme. Jede einzelne Rezension freut mich. Auch wenn es im Vergleich zu den verkauften Büchern verschwindend wenig Rezensionen sind, doch die Wenigen sind ehrlich und durchweg sehr gut. Ausserdem sind diese Bewertungen der eigentliche Verdienst für mich. (Nebenbei, wer es noch nicht getan hat, darf es gern noch tun! Egal ob Amazon, Thalia, Weltbild, Hugendubel etc.)

Gratis-Aktionen? Ich habe immer gesagt, die wird es bei mir nicht geben. Andererseits ist die Überlegung ins wanken geraten. Aderlass wurde überarbeitet und von Fehlern befreit. Wäre wohl fair von mir, zumindest angekündigt und für sehr kurze Zeit das eBook gratis anzubieten, damit diejenigen, die bereits ein eBook haben, sich kostenlos das neue eBook herunterzuladen. – Doch andererseits, ich halte nicht viel von diesen Aktionen, die im Grunde nur dafür sorgen sollen, in den Bestsellerlisten aufzutauchen.
Ich lasse es auch wissen, ob das Engelchen oder das Teufelchen auf meinen Schultern für oder gegen eine Gratisaktion entschieden hat.

Bitte bleibt mir gewogen!

Euer
Marcus Sammet

Über Marcus Sammet

Über mich? www.marcussammet.de Da wird alles gesagt.
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2 Kommentare zu Verdient

  1. Andrea sagt:

    Hi Marcus,

    diese Aussagen kann ich voll und ganz nachvollziehen.
    Allerdings stört mich die Aussage mit den Bloggern. Ich für meinen Teil habe noch nie auch nur einen Cent mit meinem Blog verdient. Dieser Blog gestaltet sich auch nicht von selber. Ich führe den sehr gerne, aber es ist für mich keine Selbstverstädlichkeit, für jedes Buch und jede Lesung eine Rezension zu schreiben. Ich mache es, weil ich es gerne mache und wenn ich keine Lust dazu habe, dann lasse ich es eben bleiben.
    Versteh mich bitte, dass mir das nun etwas quer liegt.
    Wenn erwartet wird, dass ich einen Bericht verfasse (was mir sehr viel Spaß machen kann), ich auf Dauer aber sehe, dass da keine Wertschätzung kommt, dann lass ich es eben bleiben und da ist es mir als Blogger Banane, ob und wie viel der Autor pro Buch verdient. Ihm ist es ja auch Banane, wie ich zu einer Lesung komme, oder wie ich mein Geld verdiene, um Sprit und Eintritt zu bezahlen.
    Diese Wertschätzung kann, wie bei dir erlebt, ein kostenloses Rezensionsexemplar mit persönlicher Widmung sein, oder wie bei anderen Autoren auch mal der kostenlose Eintritt zu einer Lesung.
    Merke ich aber, dass ein Autor nur darauf aus ist, seine Bücher zu verkaufen und seine Eintrittskarten zu den Lesungen los zu bekommen und dann noch Druck wegen eines Berichtes machen, da hört sich der Spaß auf.
    Vielleicht ist es den anfragenden Bloggern so ergangen und sie wollen künftig eben vermeiden, dass ausser Spesen nix gewesen ist.
    Solche und ähnliche Äusserungen sind immer ein zweischneidiges Schwert. Dazu hatte ich in den letzten Tagen in facebook ja auch was veröffentlicht. Eine Hand wäscht die andere. Blogger kommt zur Lesung, Autor bekommt seine Werbung. Kommt hierzu vom Autor nix rüber, dann kommt irgendwann auch kein Bericht mehr, was die Werbung schmälert. Beide sind in gewisser Weise voneinander abhängig.

    Von daher hätte mir Dein Bericht in etwas ausgewogener Form etwas besser gefallen, in dem erkennbar ist, dass das Miteinander zwischen Autoren und Bloggern wichtig ist. Nun fühle ich mich als der böse, total unwichtige Blogger, der die fette Kohle macht, aber so frech ist, auch noch zu fordern… 🙁

    LG Andrea

    • Liebe Andrea,
      Danke für diese Zeilen, aber offenbar hast Du da weiter gedacht als der Artikel aussagt. Davon, das ein Blogger (ggf. natürlich vollkommen zu Recht) mit seinem Blog Geld verdienen will, hab ich nichts gesagt. Es ging mir um die, die sich auf diesem Weg kostenlose Bücher „schnorren“. Da habe ich leider schon einige sehr schlechte Erfahrungen machen müssen, bei denen ich mir dachte: „Eine Hand wäscht die Andere“ – also unterstütze ich mit kostenlosen Büchern. Das ging bereits mehrfach in die Hose.
      Das ich Dich zu den seriösen Bloggerinnen zähle, muss ich hoffentlich nicht extra erwähnen. Das was Du für Bücher tust, die Dir gefallen ist ein Mehrwert für jeden Autor.
      -> Wer sich jetzt fragt, was das für ein besonderer Bücherblog ist, der schaut doch einfach mal hier: http://andreasbuecherblog.blogspot.de/

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