Toll, toller, tolerant?

Hallo liebe Leser und Fans meines Mannes,

ja, ihr lest richtig, die Ehefrau des Krimi-Autors, Hobbyfotografs und hmmmm … Hobbykochs meldet sich auch mal zu Wort!

Mir geht es um das schöne Wort „Toleranz“ Ich glaube, ich bin inzwischen Meisterin in Ausführung und Auslebung dieses Wortes.

Glaubt ihr nicht? Also bei mir fängt das bereits frühmorgens nach verlassen des Hauses an. Auf dem Weg zum Bus. Da begegnet mir des öfteren eine Hundebesitzerin, mit etwas Hundeähnlichem an der Leine (Hundeähnlich deshalb, denn das bemitleidenswerte Wesen ist zu fett und gibt grunzähnliche, schnaubende Laute von sich – Das macht kein Hund). Wenn mich dieses Tier erblickt, zieht es an der Leine hinter mir her – und somit sein Frauchen hinter sich. Mich überfällt das Gefühl, er will nach mir Schnappen. Aber nein, ich bin ja tolerant, das arme Tier geht doch nur Gassi. Ich mache doch gerne Platz für das unfreundliche Gespann.

Ein paar Meter weiter – ich gehe auf den Bürgersteig – werde ich von hinten angeklingelt. „Ja,“ denke ich „bestimmt ein Schüler, der es eilig hat, zur frühen Stunde in den Unterricht zu wollen“. Aber nein, es ist eine Mutter auf ihrem Fahrrad mit anhängender Kinderkarre. Der Inhalt der Karre brüllt aus Leibeskräften. Nebenbei, soweit ich es weiß, ist das Befahren des Gehsteigs wirklich nur Kindern unter 12 Jahren gestattet. Aber ich bin ja tolerant! Ich hüpfe auf die Seite, damit Radl-Mami ohne ein Wort des Dankes mit mehr als genug Platz an mir vorbei kann.

Als ich dann glücklich im Bus einen Stehplatz habe, der zu 2/3 mit Schülern be-setzt ist, habe ich auch für meine mitteilungsbedürftigen Mitmenschen, die mit einem Handy am Ohr in allen erdenklichen Sprachen, die Lautstärke im Bus auf weiß-nicht-wie-viele Dezibel hochhalten, Verständnis – den ich bin ja tolerant.

In der U-Bahn nach zwei gefahrenen Stationen, steigt des Öfteren eine Gruppe ausländischer Mitbürger ein, die die Menschen morgens mit Gesang und spielen einer Ziehharmonika zum Spenden auffordern wollen. Ein Pappbecher haltendes Mädchen wird zu den Fahrgästen geschickt und bettelt diese an. Dazu kann ich mich nicht mehr äußern, denn spätestens jetzt hat mein Körper reagiert. Mit Protest auf so viel Lärm – mit Kopfschmerzen. Doch ich habe Mitleid – ich bin ja so tolerant – und stelle mein Bedürfnis nach einer ruhigen Fahrt ins Büro hinten an.

Wie es mir am Arbeitsplatz ergeht, mit meiner Toleranz (ich bin Münchnerin und spreche häufig bayrisch) schreibe ich vielleicht das nächst Mal. Schau ma moi, dan seng ma scho, wie ich zu sagen pflege.

Als Fazit frag ich mich woher das Wort Toleranz wohl kommt. Bin ich toll oder toller weil ich täglich soviel Verständnis für meine Mitmenschen aufbringe? Oder sind es diejenigen, die nur egoistisch und rücksichtslos sind?

Bleibt ihr alle so toll – und tolerant – wie ihr seid. Ich habt auch gerade toleriert, dass ich den Blog meines Mannes rücksichtslos für mein Mitteilungsbedürfnis missbraucht habe!

Danke

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Die Frau des Autors, Kritisch, Kurioses veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Toll, toller, tolerant?

  1. Wenn sich die liebe Frau unseres wohlgesonnenen Marcus dazu gesellt, dann sollte ich mich auch mal wieder zu Wort melden 😉

    Genau diese Toleranzgrenze wurde bei mir bereits vor 34 Jahren erheblich überschritten. Daher entschied ich mich, fortan per Auto zum Arbeitsplatz zu fahren. Aber nicht, dass jetzt jemand denkt, dass es auf den Straßen besser zu geht. Nein, einfach nur anders. Manchmal komm ich so heftig koppschüttelnd an meinem Ziel an, dass mich schnell darauf Kopfschmerzen ereilen.
    Aber ich hatte den Vorteil, mir im Auto mein Unterhaltungsprogramm selbst auszusuchen, einen Sitzplatz zu haben und sogar die eine oder andere Minute auf meinem Weg zu sparen 😉

    In diesem Sinne
    Ich würde gerne vom Killerfrauchen lesen 🙂
    Liebe Grüße
    Andrea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.