Leichen pflastern meinen Weg

Wurde mir gestern noch vorgehalten ein sadistischer Psychopath zu sein, so musste ich heute feststellen: Könnte stimmen! Auf meinem Weg ins Büro bin ich heute über Leichen gegangen. Zwangsweise, denn die lagen da so rum, mitten im Weg. Drumherum gehen ging nicht, denn der Weg, den ich gehen muss, führt durch ein Treppenhaus, besser ein Treppenaufgang. Sechs junge Männer, vermutlicher europäischer Nationalität, lagen da breit und komatös auf den Stufen. Nein, natürlich nicht tot, keine echten Leichen. „Nur“ Alkoholleichen. Ich würde mich sogar trauen diese auf Wiesnbierleichen zu spezifizieren. Die typische Kleidung, bestehend aus kurzen Lederhosen, karierten Hemden unter Hosenträgern, Wollkniestrümpfen und Trachtenschuhen legt die Vermutung nah. Für alle Bayern: I schreibe hia aa fia Süd-Schwedn! Also bitte keine Korrekturen zur Kleidungsbeschreibung 🙂 Dazu lagen noch angeschlagene Maßkrüge zwischen ihnen. Dem von ihnen ausgehendem Geruch nach, hatte es wohl auch mindestens einer nicht mehr geschafft, vor dem sich Schlafen legen noch auf die Toilette zu gehen, um sich überschüssiger Flüssigkeiten zu entledigen. Entsprechende Seen wahren allerdings nicht zu entdecken, aber so Wollsocken und auch die Lederhosen saugen ja gut was auf.
Allerdings wurden sie sicher kurz nach dem ich über sie hinweg gestiegen bin recht unsanft geweckt. Denn der Leichenräumdienst in Form der U-Bahn-Wache kam mir am Treppenansatz bereits entgegen. Sehr unwahrscheinlich, dass die sich dazu legen würden.

Rund eine viertel Stunde später mitten in München ein ähnliches Bild. Ein Kerl selig schnarchend an der Mauer gelehnt, die den Treppenabgang zur U-Bahn umrandet. Auf seinem Schoß der Kopf eines weiblichen Wesens, das sicher in wenigen Tagen auch wieder einigermaßen attraktiv aussehen dürfte. Warum in wenigen Tagen? Nun, das geschwollene rechte, eher violett gefärbte Auge dürfen dann langsam wieder eine für Gesichter normale Farbe annehmen. Unter ihrem Dirndlrock und somit zwischen ihren Beinen schnarchte ein weiteres Wesen. Der Beinkleidung nach eher männlich, doch die Schuhe sprachen für etwas weibliches. Mit blieb nur kopfschüttelnd den Weg in mein Büro, das frei von Alkoholleichen war, zu suchen. Irgendwoher erklang noch ein gegröhltes Atem — rüüüüüülps — los durch die –rüüüüülps– Nacht …

Doch es gibt auch mal etwas Positives über das Oktoberfest und seine Gäste zu berichten. Da verweise ich sehr gern auf den Blog meiner Autorenkollegin Sybille Kolar.

Am nächsten Wochenende (ver)endet die Wiesn und ab ca. Dienstag wird auch der letzte übermäßig alkoholisierte Oktoberfestbesucher das begriffen haben und sich bis zum nächsten Jahr unauffällig verhalten.

Bitte bleibt mir gewogen, und wenn ihr nach München kommt, denkt daran, die dritte Maß Wiesnbier lässt euch peinliche Dinge tun, die ihr später bereut!

 

Euer
Marcus Sammet

Über Marcus Sammet

Über mich? www.marcussammet.de Da wird alles gesagt.
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Ein Kommentar zu Leichen pflastern meinen Weg

  1. 3 Mass? Bei mir würde eine reichen *lach*

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