Scheiß Nazi …

… wurde gestern in der U-Bahn zum Glück nicht zu mir gesagt. Aber der Fahrkartenkontrolleur musste sich das, wahrscheinlich zum x-ten Mal in seinem Kontrolleursleben anhören. Ich kann das ganz gut nachvollziehen, wie sich der Mann dabei fühlen musste. Zu meiner Zeit in der aktiven Ausleihe der Universitätsbibliothek der Ruhr-Uni-Bochum durfte ich mir das auch immer wieder anhören. Besonders dann, wenn ich jemanden auf die Regeln hinweisen musste, wie zum Beispiel das keine Jacken in die Bibliothek mitgenommen werden durften.
Doch ich will nicht abschweifen. Die ganze Diskussion zwischen Schwarzfahrer, seines Zeichens ein Mitbürger mit Migrationshintergrund, der eher stark braun pigmentierten Haut nach würde ich auf den afrikanischen Kontinent als Herkunftsland tippen, und Kontrolleur konnte ich nicht verfolgen. Sie sind recht bald unter lauten Protest und weiteren Beleidigungen des ohne gültigen Fahrausweis besitzenden Menschen ausgestiegen.

Doch brachte mich das Mal wieder zum Nachdenken. Wie lange ist die NS-Zeit nun her? So aufgerundet 70 Jahre. Heißt also, dass nicht einmal meine Schwiegermutter aktiv in einer der damaligen braungefärbten nationalsozialistischen Vereinigungen sein konnte. Bestenfalls ihre Eltern, wären die nicht auf der Flucht gewesen, weil sie sich diesen Machenschaften widersetzten. Somit kann auch schon rein rechnerisch sie nicht als Nazi bezeichnet werden. Ich selbst bin Jahrzehnte nach Kriegsende geboren worden. Kenne alles rund um die 1000 Jahre zwischen 1939 und 1945 nur aus Büchern, Fernsehen und Erzählungen, die bereits nur wiedergegebene Erzählungen waren. Dann kommt irgendjemand außerhalb der heutigen deutschen Grenzen daher und bezeichnet jemanden, der ungefähr in meinem Alter ist als Nazi, selbst kaum älter als 30. Was soll das? Bin ich einfach schuld an den braunen Jahren, nur weil ich zufällig in Deutschland geboren wurde? Wenn dieser fahrausweislose Mensch jemanden mit einem klischeehaften Aussehen so angesprochen hätte, wäre es mir noch möglich gewesen, ein bisschen Verständnis aufzubringen. Doch der Kontrolleur war ganz normal gekleidet. Nicht sonderlich modisch, aber schon wirklich nicht mit sehr festem Schuhwerk, einer grünen sogenannten Bomberjacke. Die zur Abrundung des angeblichen Neo-Nazi mäßigen Aussehens gehörende Glatze fehlte ebenfalls. Nein, als Nazi wird fast jeder deutsche bezeichnet, der einen Fremden auf sein Fehlverhalten, bei illegalen Handlungen im Besonderen, hinweißt.

Im Endeffekt soll es wohl bedeuten: Du deutsch, Du Nazi, Du schuld, deswegen darf ich alles und Du nichts. Ehrlich, das geht mir auf den Sack. Gewaltig. Auch diese ewigen Wiedergutmachungszahlungen, die auch meine Generation und folgende noch immer leisten müssen. Würde ich heute einen anderen ermorden, würde ich dafür ins Gefängnis gehen und lebenslänglich bekommen. Widersinnigerweise sind das zunächst „nur“ 15 Jahre. Je nach der richterlichen Feststellung, wie schwer dieses Verbrechen war, kann diesen 15 Jahren eine sog. Sicherheitsverwahrung folgen. Kann, muss aber nicht. Selbst RAF-Terroristen leben wieder auf freiem Fuß (darüber kann jeder denken, wie er mag, das führe ich nicht aus). Somit würde ich mit meinem Leben(swandel) für den von mir begangenen Mord bezahlen. Meine Kinder vielleicht noch durch Häme anderer, die es vielleicht wissen, was ich getan hatte. Meine Enkelkinder? Ganz sicher nicht. Aber für die Verbrechen, zu denen ein kleiner, giftiger Österreicher angestiftet hat, darf ich und jeder andere Deutsche noch heute zahlen und obendrein mich als Nazi bezeichnen lassen.

Ja, heikel das Thema heute, doch bitte bleibt mir dennoch gewogen!

 

Euer
Marcus Sammet

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