Das 16 Minuten Steak

Loriot lebt. Besser gesagt: Wird gelebt!

Es wird nicht jeder die Geschichte vom Frühstücksei kennen. Wer sie nicht kennt, sucht bei Youtube mal nach Loriot und Frühstücksei.

Was passiert, wenn mangels Holzkohlen- oder Gasgrill nicht aufs Grillen verzichtet werden möchte? Genau, die Grillfunktion vom Backofen wird genutzt. Gute Backöfen erzielen da inzwischen echt gute Ergebnisse, auch wenn irgendwie der Grillspaß ein wenig leidet. Kein Augentränen, weil der Rauch von der nicht richtig angezündeten oder zu feuchten Holzkohle wie selbstverständlich zum „Grillmeister“ zieht. Keine verkohlten Ränder oder gar ganze verkohlte Flächen, weil die Flammen zu hoch wurden. Kein verbrennendes Fett, welches vom Grillgut auf die glühende Kohle oder die Gasflammen tropft. Grillarmoma fehlt. Doch so ein Backofen fördert die Gemütlichkeit des Beisammenseins. Zumindest dann, wenn die Zeitschaltuhr am Backofen auch genutzt wird. Denn vom Gastgeber wurde herausgefunden, dass ein Steak im Backofen auf Grillstufe von beiden Seiten exakt 8 Minuten benötigt, um perfekt für den Verzehr zu sein. Nicht zu roh, nicht zu trocken und das Rost, auf dem das Fleisch liegt, ist ebenfalls heiß genug für die grillcharakteristischen Streifen auf dem Grillgut. Doch was passiert, wenn die Gastgeberin die Uhr nicht einstellt? Genau, es wird ein zufällig 16 Minuten gegrilltes Steak. Weil eine Hausfrau hat es ja, trotz angeregtem Geratsche, im Gefühl, wann exakt 8 Minuten herum sind, um das Steak zu wenden. Natürlich wurde das erste Fleisch ein wenig zu trocken. Wirklich nur ein wenig. Ganz wenig. In Wahrheit war es wirklich gut so. Doch der Gastgeber stellte fest, dass es nicht exakt insgesamt 16 Minuten gegrillt wurde. Selbstverständlich wand die Gastgeberin ein, das er nun doch das nächste Steak (hier muss ich kurz einwerfen, dass es Lendensteaks waren, also eher dünn geschnittene Fleischscheiben, die durchaus dazu taugen mehrere zu verzehren) selbst in den Backofen zu tun und die Zeit etwas zu reduzieren. Ab hier kamen meine Frau und ich aus dem Lachen nicht mehr raus. Eine Szene wie von Loriot selbst geschrieben bat sich uns dar.
„Ich könnte natürlich die Zeit reduzieren, wenn ich jetzt wüsste, wie viel Zeit das vorherige Steak im Ofen war. Ich hätte dafür die Uhr am Ofen benutzt.“
„Es war zwei mal acht Minuten im Ofen.“
„Woher willst Du das wissen, es war doch keine Uhr gestellt!“
„Ich weiß doch, wann 8 Minuten vorbei sind! Dann habe ich es umgedreht und nochmal 8 Minuten grillen lassen.“
„Du meinst das es ungefähr 8 Minuten gewesen sein könnten, weißt aber nicht, ob es wirklich 8 Minuten waren!“
„Natürlich war es eine viertel Stunde, die das Steak im Ofen war.“
„Eine viertel Stunde sind nur 15 Minuten, keine 16. Wären es nur 15 gewesen, könnte das Fleisch nicht zu trocken werden.“
„Es waren 16, ich weiß das.“
„Woher weißt du das? Hat das Fleisch mit dir gesprochen und sich gemeldet: ‚Ich bin duuurch!‘ ?
„Natürlich nicht. Ich kann die Zeit sehr gut abschätzen!“
„Also doch nur geschätzte 16 Minuten. Könnten auch 17, 18 oder gar 20 gewesen sein!“
„Nein, es waren 16, genau geschätzt. Ich habe ein gutes Zeitgefühl.“
„Ich glaube, Dein Gefühl geht nach. Ich stelle die Uhr auf 14 Minuten.“
„Warum auf 14? Du willst doch ein Steak, das 16 im Ofen war.“
„Aber du hast gesagt, dass ich es etwas kürzer drin lassen soll. Also 14. Exakt nach Uhr.“
„Etwas kürzer wären aber 15 Minuten.“
„Gut, dann stelle ich die Uhr auf 15 Minuten.“
„Ach mach doch, was du willst, Hauptsache das Fleisch ist gut durch und nicht zu trocken.“

Der Gastgeber setzte sich wieder zu uns an den Tisch. Wir lachten, tranken Bier und Wein, aßen Salat und Baguette. Die Uhr am Ofen piepste.

„Das waren jetzt aber keine 8 Minuten!“
„Es waren 15. Das Fleisch ist jetzt fertig.“
„Du hättest es nach 8 Minuten umdrehen müssen, nach der halben Zeit!“
„Die halbe Zeit wären 7 Minuten und 30 Sekunden gewesen.“
„Du hast die Uhr falsch eingestellt.“
„Nein, der Backofen ist doch überall heiß, das Fleisch ist jetzt durch.“
„Aber es ist jetzt nur von einer Seite gegrillt!“
„Das macht doch nichts, wenn es durch ist.“
„Nächstes Mal mache ich das Fleisch wieder. Dann ist es genau richtig gegrillt und zwar 16 Minuten.“

Meine Frau konnte sich aus dem tränenreichen lachen nicht verkneifen zu sagen:
„Eine Hausfrau hat das im Gefüüühl!“

Stellvertretend für den Gastgeber murmelte ich:
„Gleich morgen bring ich sie um…“

Der Abend war ein wirklich schöner. Die Kabbeleien zwischen unseren Freunden sind wirklich nurkabbeleien und niemands Gefühl geht nach und es wird heute auch niemand umgebracht!

Bitte bleibt mir gewogen, ganz egal wie lang ihr euer Steak oder Gemüse grillt!

 

Euer
Marcus Sammet

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Ein Kommentar zu Das 16 Minuten Steak

  1. Dörte sagt:

    Herrlich……………mehr gibt es dazu nicht zu sagen……

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