Reiseleihe mit endlos Piep

Wenn denn einer eine Reise tut, kann er was erzählen. Oft viel Schönes, manchmal nicht so Schönes.


Nun, ich will mich eigentlich nicht beklagen. Schon bei den Urlaubsvorbereitungen war klar, ein Leihwagen wird gebraucht. Da wir eine Ferienwohnung hatten, fiel ein inklusiver Bustransfer, der nicht vorhandenen Reisegesellschaft von vorn herein aus. Über diverse Webseiten für günstige Angebote adäquater Leihwagen fanden wir dann ein Vehikel, das uns vier mit samt Koffern zu der Wohnung und die folgenden Tage bequem über Mallorca bringen würde. Die Wahl fiel auf einen Nissan Juke, angeblich für vier Personen, zwei großen und zwei kleinen Koffern tauglich. Dazu noch fix eine Rund-um Absicherung mitgebucht und fertig war das Leihwagenwohlfühlgefühl.

Der Tag der Landung auf Mallorca kam, reibungsloser hätte es auch bis dahin kaum funktionieren können. Mit dem eigenen Auto zum Park&Fly, Transfer zum Flughafen ratz-fatz, Check-in ohne Papier vollkommen unkompliziert und wenig später im Flieger Platz genommen. Der Flug sehr angenehm und die Landung butterweich. Gut, der lange Weg durch den inzwischen wirklich großen Flughafen Mallorcas war sicher hilfreich, unsere Koffer vor uns am Abholband ankommen zu lassen. Somit war das Warten auf die Gepäckstücke extrem kurz. Also die Teile gepackt und zum Autoverleiher.

Ja. So weit. So gut. Oder so.

Auch hier gings eigentlich schnell. Bis auf die Tatsache, dass die Dame am Schalter sicherlich auch einigermaßen verständlich deutsch hätte reden können (bei der Masse der deutschen Urlauber kaum anders denkbar) bestand diese auf spanisch oder englisch. Zunächst alles prima, bis dann die Wahl kam. Entweder eine Vollkaskoversicherung abschließen oder eine sehr hohe Kaution bar bzw. per Kreditkartenblockierung hinterlegen. Nun, ich hatte ja bereits im Vorfeld eine Vollkasko mit Rund-um Schutz abgeschlossen. Einiges Diskutieren in rudimentärem spanisch/englisch brachte es ans Licht: Obwohl über eine Webseite gebucht wurde die Versicherung vom Verleiher nicht akzeptiert. Zähneknirschend und Urlaubskasse bewahrend schloß ich also erneut eine Vollkasko ab.

Nun, dann ging es zum Auto. Auch die Abholung wurde dann recht angenehm, da auch hier ein wirklich reibungsloser Ablauf gewährleistet war. Der Schlüssel wurde freundlich ausgehändigt und wir suchten den Stellplatz auf. Dort wartete dann eine Riesenüberraschung auf uns. Zum gleichen Preis gab es nicht ein einfaches Upgrade auf den nächstgrößeren, nein sogar auf den übernächstgrößeren SUV (Sports Utility Vehicle). Warum so ein Teil? Nun, auf der Webseite des Verleihers waren diese SUVs die einzigen Fahrzeuge, die uns und Gepäck genug Platz boten zu einem guten Preis. Persönlich hätte ich mich gern auch für einen Kombi preiswerterer Marken ohne Statussymbolcharakter entschieden, doch diese waren entweder deutlich teurer oder nicht im Angebot. Also kein Qashqai, sondern gleich ein X-Trail. Zwei Nummern größer als gebucht.

Das erste Problem war, den Wagen aus der Parkbox, die fast vollständig ausgefüllt wurde, herauszufahren. Also Tür ganz vorsichtig auf und reinquetschen. Innen dann die vergebliche Suche nach einem Zündschloß für den Schlüssel. Gut, ganz weltfremd bin ich nicht, auch ich habe schon von Keyless-go und Start-Stop Schaltern gehört. Tja, das Hören ging dann intensiv los. Zündung durch einmaliges Tippen auf Start an und es piepte. Und piepte. Also anschnallen. Keine Veränderung, es piepte. Kupplung getreten, Motor gestartet. Es piepte weiter. Langsam aus der Parkbox herausrollend piepte es mit einem Mal von links und rechts. Frech den Karren auf der Fahrbahn geparkt um ihn zu beladen, hörte das Piepsen erst mit abschalten auf. Koffer im entsprechenden Platz im Heck so gerade eben verstaut und alle vier nahmen wir unsere Sitzplätze ein. Zündung an – piep. Im Display vor mir der Hinweis, dass auf dem Rücksitz niemand angeschnallt sei. Der Blick über die Schulter zeigte: beide Kinder brav angeschnallt. Irgendwo am Lenkrad fand sich ein „OK“ Taster, der die Meldung tatsächlich mit einem Piep verschwinden lies. Motor gestartet – piep – und angerollt. Piep piep piep – offenbar zu nah links. Piep piep piep – jetzt zu weit rechts. Der Grad in einer Parkhausstraße ist offenbar zu schmal, um die Sensoren nicht anschlagen zu lassen.

Ausfahren durch die Schranke am Ende der Ausfahrt hätte ich mich beinahe nicht getraut, zu sehr warnten mich die Sensoren mit penetrantem piepen vor der Gefahr der schmalen Durchfahrt. Doch dann, diese Hürde endlich genommen, ging es voran. Doch was war das? Links in Höhe des Außenspiegels im Fahrzeuginneren leuchtete sporadisch ein kleines sanftes orangefarbenens Licht auf. Den Grund habe ich bis heute nicht herausgefunden. Ab und zu das gleiche auf der Beifahrerseite. Zum ersten Mal kam der Gedanke auf: Ich bin zu alt für moderne Fahrzeuge. Ich will zurück in meinen schönen alten 1999er E-Klasse Kombi!

Die Fahrt über die Autobahn Richtung Palma, der mallorquinischen Hauptstadt, dauerte nur wenige Minuten und auch die Straße in der die Ferienwohung lag, war schnell gefunden. Doch die Straße ließ den X-Trail wohl schier verzweifeln, was er mit sehr vielen unmotivierten Piep leidlich von sich gab.

Nun, ich erspare euch hier weitere Piep-Erlebnisse. Es ging die ganze Woche über so, kaum im Auto, Zündung an und Piep. Rückwärts und Piep. Piep hier, Piep da. Piep überall. Ich habe keine Ahnung, wovor ich alles gewarnt wurde. Mir egal, ich habe es geschafft, diesen Piepmatz schadenfrei zurückzugeben.

Mein Fazit: Assistenzsysteme mögen ja toll sein. Solange sie die Klappe halten. Dieses verwirrende Dauerpiepen als Warnung vor etwas, was möglicherweise nicht einmal eine echte Gefahr darstellen könnte, nimmt zumindest mir vollkommen die Freude an einem Neuwagen und dem Fahren als solches.

Wie sind eure Erfahrungen mit dem Assistenzwahn? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt ob ich mit knapp 51 Jahren zum Autofahrergreis geworden bin.

Bitte bleibt mir gewogen!

Euer
Marcus Sammet

Über Marcus Sammet

Über mich? www.marcussammet.de Da wird alles gesagt.
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2 Antworten zu Reiseleihe mit endlos Piep

  1. Ich will meinen R4 mit Faltdach wiederhaben. Den konnte ich alleine zerlegen und wieder zusammenschrauben. Heute kostet mich jeder TÜV 700 Euro wegen den Bremsen. Es wird immer komplizierter und ich möchte bitte EINEN Knopf mit dem ich ALLE Pieper ausschalten kann. Auch den GURT!

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