Bilderwüterei

Seit Monaten ist das sogenannte DSVGO aktiver denn je. Es gilt ja im Grunde schon seit 2016, doch dieses Jahr wurde es dann bindend. DSVGO = Datenschutz Verordnung. ( Hier die passende Webseite, klick! )

Merkt ihr was? Es fehlt das Wort Gesetz. Auch wenn die Webseite sich DSVGO-GESETZ nennt, so ist es kein Gesetz. Verordnungen sind allerdings sehr nah dran und können ähnlich geahndet werden. Da ich schon auch ein kleiner Wikipedia-Fan bin, hier vielleicht noch der Link dorthin: DSVGO auf Wikipedia

Aber ich möchte hier gar keine neue Diskussion um das angebliche Gesetz, das keins ist, aufflammen lassen. Ein paar Monate nach der Einführung musste ich an mir selbst feststellen, dass ich doch mehr darauf achte, was von mir wo gespeichert wird und das sich mein Verhalten auf Webseiten etwas verändert hat. Längst mache ich nicht mehr alle Angaben, längst registriere ich mich nicht mehr sofort in einem neuen Shop um später, bei einem evtl. zweiten Kauf, es leichter bei der Anmeldung zu haben. Bei mir bekannten Online Händlern habe ich durchaus Daten herausgenommen, die im Grunde irrelevant sind, weil doch entweder von denen ungenutzt oder ich diese Daten dort einfach nicht mehr wollte.

Im Mai gings dann los, die Verordnung wurde heiß diskutiert. Viele gerieten in eine Art Panik, was denn nun mit Fotos sei, die sie im Internet zeigen. Halt auf Instagram, Facebook, twitter und den ganzen anderen Social Media Plattformen. Auch ich habe einen Hinweis für nötig gehalten und ein entsprechendes Posting auf meiner Sterbe wohl… – Sammets ThrillerFan-Seite bei Facebook angebracht, da Facebook das Verwalten der Daten die mir nur rudimentär zur Verfügung gestellt werden, aufzwängt.

Die erste Panikwelle ist vorbei, das Gerede um das Gesetz, das nur eine Verordnung ist, ist abgeebbt. Dennoch ist es zumindest in meinem Hinterkopf geblieben. Besonders in den letzten Wochen, im Urlaub nämlich. Die Tage unfleißig am Strand verbracht, langsam in der Sonne rostrotbraun bratend war natürlich auch die Kamera dabei. Nicht nur die DSLR (Digitale Spiegelreflexkamera) sondern auch das Smartphone. Schnell mal hier und da einige Bilder geschossen. Die Welle noch, die Yacht dahinten rangezoomt, Schatz und Kinder fotografiert. Ups. Wen? Nein, viele, sehr viele habe ich fotografiert und wohl eher nebenbei die Yacht, die Welle, Schatz und Kinder. Ist das rechtens? Muss ich jetzt den Strand ablaufen und jeden fragen, ob ich das hätte tun dürfen? Nein. Muss ich nicht. Aber ich muss darauf achten, dass ich keine Fotos von irgendwem, irgendwo veröffentliche. Das habe ich noch nie einfach so getan, also alles im grünen Bereich. Die Welle wirds nicht kümmern, die hat sich längst im Sande verlaufen, der Eigner der Yacht wird sich bestenfalls wohl darüber freuen, mit seinem Boot prahlen zu können. Schatz und Kinder haben Erinnerungsfotos an unseren gemeinsamen Urlaub. Die anderen auf dem Foto? Zum großen Teil von vornherein nicht erkennbar und wenn schon, werden sie halt etwas nachbearbeitet, so dass sie hoffentlich niemand erkennen wird.

Interessant wurde dann aber mein eigenes Verhalten neulich in einer Therme. Wunderschön gelegen mit herrlichem Ausblick. Wohlfühlort der Entspannung. Die Sonne scheint, es geht mir gut. Ein wenig der Traum vom Ruhm als berühmter Autor einer großartigen Thriller Reihe lässt eine gewisse Zufriedenheit durch mich strömen. Gut, träumen darf man ja! Der Blick nach nicht vorhandenen Fans schweift umher und ich sehe direkt ins Objektiv einer digitalen Kleinkamera. Nicht nur das, der Auslöser wird fleißig gedrückt. Paparazzi in der Therme? Wegen mir? Wohl kaum, Traum hin, Realität her. Nicht nur diese Person hat eine Kamera zur Hand. Dort noch ein paar Jugendliche mit ihren offensichtlich wasserfesten Smartphones beim Selbstbildnissfesthalten – auch Selfiemachen genannt – knipsen munter drauf los. Blick nach links und rechts – ähnliche Beobachtungen. Kaum jemand, der sein mit hochauflösendem digitalem Fotochip ausgerüstetes Telefon im Garderobenschrank ließ. Klick klick klick, Bild geschossen und jeder ungewollt darauf verewigt. Es machte nachdenklich. Doch letztlich gesorgt hat mich dann die Frau, die scheinbar ganz offensichtlich mich als ihr Lieblingsmotiv ausgesucht hatte. Nach wie vor schoß sie ein Bild nach dem anderen, scheinbar von mir. Leider war für mich auch nicht erkennbar, dass sie doch eher Mann und Kind ganz in meiner Nähe für spätere Erinnerungen speichern wollte. Daher fasste ich mir dann doch ein Herz und schwamm zum Beckenrand um die Frau darauf aufmerksam zu machen, dass es mir doch unangenehm war, im Mittelpunkt ihrer fotografischen Tätigkeit zu stehen. Sie versicherte sofort, dass nicht ich in ihrem Fokus war, das sie auch vermied mehr als ihre Familie für die Ewigkeit festzuhalten und zeigte sogar bereitwillig gleich einige der letzten Fotos. Dennoch, ich kam nicht umhin sie zu bitten, zumindest die Bilder, auf denen ich deutlich erkennbar sein würde, wieder zu löschen. Ob sie es jemals tun wird, wenn es diese Festhaltungen der unwichtigsten Zeitgeschichte überhaupt gab, bleibt natürlich fraglich.

Der fade Geschmack allerdings, dass sich dann so gut wie jeder mit einem Smartphone ausgerüstet ins Schwimmbad begibt und munter Selfies knipst – oder gar mehr – verstärkte sich. Trotzdem es im Eingangsbereich der Schwimmanstalten und Thermen reichlich Hinweise gibt, das fotografieren jeglicher Art generell nicht gestattet sei, setzt sich dann die Masse darüber hinweg. Ich kann diese Leute sogar denken hören: Ist doch nur für mich! Das ist es zu einem sehr hohen Anteil sicher auch, nur für mich selbst, als Erinnerung oder zum Prahlen vor Freunden. Über das, was an Fotos entstehen könnte, die jetzt nicht wirklich einen Erinnerungswert haben, möchte ich nicht weiter nachdenken. Das Böse ist ja doch immer und überall.

Ganz nebenbei fällt mir dann ein, dass auch ich zu den Dauerfotografen gehören könnte bzw. lange gehört habe. Auf Grund diverser beinahe Unfälle, vorwiegend mit Motorradfahrern auf kurvigen Bergstraßen und diversen Drängeleien auf der Autobahn mit anderen Blechummantelten Dumm-Dumm-Hochgeschwindigkeitsvernatikern legte ich mir schon vor Jahren eine sogenannte Dashcam zu. Leicht mal an der Innenseite der Windschutzscheibe angebracht, mit einem G-Sensor (G steht im Prinzip für die Beschleunigung – meist der Erdanziehungskraft im Verhältnis zum Körper) ausgerüstet und lief fortan dauerhaft mit. Der Speicher wurde automatisch überschrieben, keine Filme wurden wirklich lang gespeichert. Es sei denn, es kam zu abrupten Bremsern, diese Filme wurden von der Software gleich geschützt. Allerdings, wenn ich die Aufnahmen hätte vor Gericht verwenden wollen, um ggf. meine Unschuld, an einem Unfall belegen zu können, wäre dieser Film ignoriert worden und ich noch dafür bestraft. Bis es im Mai dieses Jahr zum Scharfschalten der DSGVO kam. Interessanterweise wurde zu diesem Zeitpunkt das verwenden der Dashcams teilweise legalisiert. Sie dürfen im Auto sein, sie dürfen angeschlossen sein, sie dürfen filmen. Nicht dauerhaft, nicht im Dauerbetrieb. Es sollte also eine Armaturenbrettfilmausrüstung sein, die vorausahnt, dass in den nächsten Sekunden ein Unfall oder sonst wie schreckliches Ereignis stattfinden wird. Dann kann sich diese rechtzeitig einschalten und das sich zu Ereignende aufzeichnen. Das ist nun legal. Sogar vor Gericht. BGH bestätigt.

Nun, Hellsehen ist nicht so ganz mein Ding. Ich hoffe einfach auf die Technik und den Sensor, das dieser die Kamera rechtzeitig einschaltet und mir ggf. dann ein Bild liefert, das eindeutig zeigt, wie es zum Unfall kam. Bis dahin frage ich mich, was eigentlich mit den inzwischen übermäßig vielen Kameras an diversen Autos ist. Rückfahrkameras, Einparkhilfen im 3D-Rundumblick. Radar- und Live-Bilder von im Kühlergrill angebrachten sensorischen Filmfesthaltern. Kurzum, die ganzen Assistenten zum sicheren Fahren mit wachsamem Objektivauge. Diese laufen auch ständig mit. Auch wenn der Fahrzeugeigner vielleicht nicht auf die Aufnahmen zugreifen kann, weil es angeblich nur eine Momentaufnahme ist, wer sagt das diese Bilder nicht doch gespeichert werden? So ein Speichermedium ist heutzutage winzig und sehr schnell verbaut und Autohersteller lügen ja schon beim Abgas, dass nicht mehr gemessen, sondern auf Grund von Softwareeinstellungen bestimmt wird.

Mit diesem Gedanken verabschiede ich mich bis zum nächsten Blog.

Bitte bleibt mir gewogen!

Euer
Marcus Sammet

Über Marcus Sammet

Über mich? www.marcussammet.de Da wird alles gesagt.
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