Oh du röhliche…

… hektische Weihschlachtszeit.

Selten wird Bernhard von Bülows „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.“ in der anzunehmenden christlichen Vorweihnachtszeit heftiger gelebt. Rigoros wird missachtet, was uns das Christsein gelehrt haben sollte. Den Anderen achten. „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem andern zu.“ mutiert scheinbar zu „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg ruhig einem andern zu.“.

Natürlich sind alle Menschen rücksichtslos. Sie haben weder Augen am Hinterkopf noch laufen sie mit Rücklaufkameras herum. Das beim Rückwärtsgehen mal ein Rempler geschehen kann, ist verzeihlich. Die meisten Rempler, Drängeleien und gar harte Stöße mit Schultern oder Ellenbogen geschehen beim Vorwärtskommen. Erlebt auf Weihnachtsmärkten, erlebt auf dem Münchner Winter Tollwood. Selbst mein 10 jähriger Stiefsohn musste feststellen, dass sich offenbar jeder für oberwichtig und den Boss aller überhaupt hält. Ja, kaum zu glauben, aber auf solchen Märkten gibt es tatsächlich Menschen, die sich gern die angebotenen Waren und Leckereien ansehen oder sogar genießen wollen. Wie ich gemeinsam mit meinem Stiefsohn feststellen musste, gibt es wohl aber viele Menschen, die in einer Art Marathonlauf versuchen, möglichst viele Weihnachtsmärkte in kürzester Zeit abzugehen und sich sehr roh den Weg frei machen wollen.

Hinderlich im Umgang mit seinen lebenden Mitmenschen sind wohl auch die virtuellen Freunde, die per Live-View überall dabei sein dürfen. Langsam frage ich mich, wann diese Selfie-Sticks endlich keine ausziehbaren Stäbe mehr sind, sondern entweder über einen Kopfring oder Schulterstativ am Körper befestigt werden können. Es gibt ja schließlich schon eigene Helmkameras. Die Umsetzung einer Halterung für die verschiedensten Smartphone Modelle kann doch so schwer nicht sein. (Falls jetzt jemand losrennt, so etwas marktreif zu bauen und anzubieten, für meine Idee hätte ich gern das eine oder andere Prozent Gewinnbeteiligung.)

Was mir zu unserem christlichen bevorstehenden Wiegenfest auffällt ist, dass in den Geschäften praktisch jeder bei den Süßwaren hinlangt und kauft, was die Konfektionsgrößenreserve hergibt. Das auch ganz gleich, ob reiner Christ oder augenscheinlicher Muslime. Nun ja, der Kakaobohne ist es wohl egal, bei wem sie zu Schokolade verarbeitet als Nachtisch verendet. Aber nicht nur die Schlacht am Schoko-Nikolaus-Buffet sorgt für Kriegsschauplätze. Besonders toben diese Kleinkriege an Glühwein- und Eierpunschständen. Verständlich sogar, denn das kostbare überhitzte Nass möchte Prozentaddiert auf 100 kommend in die menschliche Leber dringen und nicht von einem durch die Menge pflügendem Humanbulldozer auf Jacken und Mäntel der Umherwankenden verschüttet werden. Kostbares Nass ist dabei nicht übertrieben, denn die Preise für sinkende Mengen an glühendem Alkoholika steigen proportional zum kleiner werdenden Behältnis, dessen Pfand bald höher ist, als dessen Inhalt.

Apropos Pfand. Wenn ich nun schon Pfand bezahle und Pfandmarken bekomme, so kann ich mein bepfandetes Geschirr nicht ohne Marken zurückgeben, selbst wenn dieses eindeutig nur diesem einem Ausgeber zuzuordnen ist. Nun, bei Leergut wie PET-Flaschen, die ich in jedem Supermarkt bekomme, kann ich es noch nachvollziehen. Immerhin wird für so eine Flasche statt der 0,25€ auf dem Tollwood gleich mal 2€ genommen. Die Gefahr, dass ich mir LKW-Weise solches Leergut beschaffe, um es für das 8-fache Leergutpfand dort abzugeben, kann ich sogar nachvollziehen. Warum nun aber mehr als die 0,25 € genommen werden, wiederum nicht. Denn auch hier werden Pfandmarken ausgegeben und nur mit dieser kann das Pfand eingelöst werden. Beim Geschirr, das löblicherweise immer mehr echtes Porzellan ist, kann ich ein hohes Pfand nachvollziehen. Schließlich musste dieses beschafft werden und auf eine monetäre Art gegen Bruch und Entwendung versichert werden.

Kommt gut durch die (rohe) Adventszeit, lasst euch nicht wegen ausverkaufter Spielzeuge für die Kinder aus der Ruhe bringen und fangt bitte keine Glaubenskriege an. Ich glaubte auch, ich kriege keinen Eierpunsch, bis ich dann doch bestellen durfte. Denkt auch dran, es reicht wenn der Weihnachtsmarkt voll ist!

Bitte bleibt mir gewogen, habt eine schöne, zweite Adventswoche und versucht locker zu bleiben. Denn auch nächstes Jahr wird wieder Weihnachten sein, ihr verpasst also nichts.

Euer
Marcus Sammet

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