Kampf am Buffet

Wenn einer eine Reise tut…

Ihr kennt das. Pauschalreise im Sternebunker. Frühstückszeit und noch vor dem Öffnungstermin des Speisesaals scharren die ersten vor der Tür mit den Hufen. Der Restaurantchef kann sich mit einem Hechtsprung so eben noch davor retten, von der Meute nicht überrannt zu werden, nach dem er die Türen entriegelt hatte. Sehenswert auch die panisch-ängstlichen Blicker der Kellnerinnen und Köche hinter den Herdplatten am Showcooking. Der erste Sturm hat sich gelegt, vereinzelt gibt es noch Kämpfe um die besten Tische an der Fensterfront. Die armen Neuankömmlinge müssen sich bestenfalls mit Blicken töten lassen, weil sie einen Tisch belegten, der seit Urzeiten von ein und dem selben fast scheintoten Paar belegt wird. Urzeiten? Nun, Langzeiturlauber nisten sich gern mehrere Monate ein und haben natürlich diesen einen, einig wahren Tisch gepachtet. Andere Neuankömmlinge werden nicht nur mit Blicken beworfen sondern auch gleich bös beschimpft und aufgefordet dieses doch ja nicht wieder zu tun, sonst!!!!

Sonst was? Nein, diese Frage sollte sich jeder verkneifen, der nicht auf fliegende Teller, Gläser oder gar Steakmesser steht.

Wie auch immer. Die Schlacht am Frühstücksbuffet war eröffnet. Ich stehe mit meinem leicht gefüllten Teller an Buffet. Ein guter spanischer Manchego, etwas Margarine, zwei Portionspackungen Marmelade und eine, wie sich später herrausstellte, hervorragende Sobrassada, lagen bereits gemütlich beisammen. Dazu sollte sich noch ein Kochschinken gesellen. Ruhig wartete ich den alten Herrn vor mir ab, der sich abmühte einige Oliven auf seinen Teller zu balancieren. Der ging nun seines Weges, da viel von der Decke ein nicht mehr wenig korpulenter Mann direkt neben mich und breitete die Ellenbogen aus um seinen Teller mit dem Rest des vorhandenen Kochschinkens zu füllen. Rest heißt: rund 15 Scheiben. Eine fiel ihm von der Gabel wieder zurück aufs Buffet. Mal wieder mein Klappe nicht halten könnend fragte ich nach:

„Wird sonst zu viel, oder?“

Der Mann, einem Ballon nicht unähnlich, schaute mich entsetzt an. Vollkommen überrascht darüber, das ihn jemand ansprach erwiederte er trotzig: „Das esse ich alles auf! Alles!“ Warf Miss Piggy ähnlich seinen Kopf in den Nacken und zog von dannen. Ich war überzeugt davon, das er zu dem Schinken noch eine ganze Pfanne Rührei nehmen würde, doch diese ignorierte er.

Später, nach einem guten und gemütlichem Frühstück kam ich auf dem Weg zum Ausgang an dem Tisch des männlichen Ballons vorbei. Gut die Hälfe der Schinkenscheiben lag dort auf dem verlassenen Teller, der seinerseits auf dem alleingelassenem Tisch stand.

Ich denke mir wieder einmal, warum machen Menschen das? Einfach nur weils im All-Inklu-Preis inbegriffen ist, das Essen dann entsorgt wird? Mein Verständnis hält sich innerhalb der Grenzen, in denen ich diesen Typen werfen könnte, sofern ich ihn hätte heben können.

Buffet hin, Buffet her. Auf meinen Teller kommt nie mehr als ich essen werde.

Bitte bleibt mir gewogen!

Euer
Marcus Sammet

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3 Kommentare zu Kampf am Buffet

  1. Andrea sagt:

    Unser letzter all in-Urlaub liegt nun schon über 20 Jahre hinter uns, aber wie ist es doch schön zu erfahren, dass sich nichts, aber auch gar nichts geändert hat.
    Aber der Balon hat sich ja noch zusammen gerissen. Ich hätte ja damit gerechnet, dass er die Hälfte seines Essens auf einem unbesetzten Tisch abstellt und ein zweites Mal das Buffet stürmt….

    LG
    Andrea

  2. Annette sagt:

    Auch ich platziere nur das auf meinen Teller, was ich wirklich aufessen kann. Alles andere ist doch Blödsinn.
    Hoffe, es geht Dir gut und Du erholst Dich, damit Du wieder gute Bücher schreiben kannst. 😉

    Einen ganz lieben Gruß aus Essen sendet Dir
    Annette

  3. Dörte sagt:

    Wie immer ein Genuss zu lesen. Leider wird es immer wieder übertrieben, egal ob All-Inklu oder wenn es mal etwas umsonst gibt. Es könnte ja morgen nichts mehr geben oder irgend jemand könnte ja mehr haben. Genieße deinen Urlaub Marcus und verschone uns NICHT mit deinen Erlebnissen.

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