Ich bin nicht Charlie …

ich bin ich: Marcus

Diese Aussage bedeutet allerdings nicht, das mir die Bedeutung des Statements „Je suis Charlie“ nicht bewusst ist. Selbstverständlich gehört mein Mitgefühl den unsinnig getöteten Charlie-Mitarbeitern. Andererseits, wie sinnig war es, die Attentäter zu erschießen? Gab es keine Alternative als Zahn um Zahn, Auge um Auge? Andererseits, warum nicht erschießen, denn die Attentäter hatten keine Gnade, kannten keine Skrupel. Aber das will ich hier nicht wirklich diskutieren (lassen). Selbstverständlich bin ich für die Freiheit des Wortes, was auch zur Aussage „Je suis Charlie“ gehört. Denn ich bin Mitglied des FDA Bayern und auf unserer Fahne steht eben dieses. Festgehalten ist das in unserer Präambel. Meinungsfreiheit ist auch wichtig und sollte überall gelebt werden dürfen! Aber ich bin Marcus, nicht Charlie. Ich bin Autor, hauptsächlich für Thriller, kein Satiriker. Für mich zählt jedoch der Gedanke dahinter, dem stimme ich voll und ganz zu.

Achtung, hier kann im folgenden Text Satire, Sarkasmus und Ironie versteckt sein!

Aber diese Ereignisse bringen mich ins grübeln. Freiheit des Wortes. Meinungsfreiheit. Gemessen an was? An den Grundsätzen der sog. westlichen Welt/Kultur? Oder an den Grundsätzen der übrigen Himmelsrichtungen / Kulturen? Ist nur unsere, die westlich-christliche die einzig richtige und wahre?

Auch muss ich daran denken, wie ich erzogen wurde. Ist zwar schon eine Weile her, aber für mich gilt bei jedem was ich tue immer noch der Gedanke: Darf ich das?
Ja, ich denke darüber nach, ob ich etwas darf oder nicht. Offenbar komme ich viel schneller zu dem Schluß „Nein, darf ich nicht.“ als andere. Darf ich jemanden beleidigen, nur weil er nicht meiner Kultur und meinem Denken entspricht? Darf ich überhaupt jemanden beleidigen, öffentlich dann noch obendrein. Im Wissen, das die Mentalität des zu beleidigenden sehr auf das Ehrgefühl (nach unseren Vorstellungen wohl etwas sehr empfindlich ausgelegt) geht? Nein, darf ich als Person und Mensch nicht. Darf ich auch als Christ nicht. Dann konstruiere ich mir eben eine Form, unter der ich mir einbilde, es zu dürfen und werde Satiriker. Fortan kann ich immer sagen: Ist doch nur Satire, ist doch keine Beleidigung. Darf ich das wirklich?

Mir kommen dabei auch die zehn Gebote in den Sinn, die in den christlichen Kirchen als … sagen wir mal … Leitregeln gelten. Zunächst, was sind Gebote? Gebot ist ein Soll(te). Also eher eine einzuhaltende Regel, die aber keinesfalls bedingt, das davon nicht abgewichen werden darf. Diese zehn Gebote werden schon von den zwei großen Religionen unterschiedlich ausgelegt.
Die evangelische Kirche sagt zum 1. Gebot: Ich bin der Herr dein Gott; du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
Die katholische sagt zum 1. Gebot: Du sollst an einen Gott glauben.Auf den Tafeln soll folgendes gestanden haben: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. (Achtung, Satire: ganz schön viel zu meißeln damals…)
Ich verstehe daraus: Wenn ich mich schon für einen Gott entscheide, dann soll ich gefälligst diesem treu bleiben und keine weiteren anbeten. Nun, ist wohl wie mit der Ehe bzw. einer Beziehung überhaupt, Monogamie ist gefordert. Was ich persönlich vollkommen OK finde.

Etwas interessanter wirds beim dritten Gebot. Das sagt die evangelische Kirche: Du sollst den Namen des Herrn deines Gottes nicht missbrauchen.
Dies sagt die katholische Kirche: Du sollst den Tag des Herrn heiligen.
So wurde es einst gemeißelt: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.
(Achtung, Satire: Jetzt mal ehrlich, könnt ihr euch vorstellen, wie groß die Steintafeln gewesen sein müssen, die Moses da angeblich geschleppt hat?)
Ich verstehe daraus: Mach keinen Blödsinn mit und unter dem Namen Gottes. (wer es nicht mehr weiß: Jehova) Also nicht veralbern, verballhornen und schon garnicht unter diesem Namen Morde begehen. Sehr interessant finde ich, was die Katholiken daraus gemacht haben. Da geht es nicht mehr um den Namen Gottes sonder um einen Tag, der geheiligt werden soll.

Im 6. Gebot sind sich alle einig. Du sollst nicht töten. Eindeutiger gehts wohl nicht. Unklar ist, ob sich hierauf Vegetarier beziehen dürfen.

Zuletzt möchte ich die Auslegung des 10. Gebots anführen.
So sagt die katholische Kirche: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.
So die evangelische Kirche: Du sollst nicht begehren, was deinem Nächsten gehört.
So war es angeblich in Stein gemeißelt: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.
Offenbar hat die Kirche da einiges ausser Acht gelassen. Nun, sonst hätten sie kaum ihre Reichtümer ansammeln können. ABER: es heißt „… was Dein Nächster hat“. Ihr könnt euch so grob erinnern wann das alles geschrieben ..äh.. gemeißelt wurde? Wie dicht damals alles besiedelt war? Der Nächste war meist recht weit weg, ausgenommen die Stadtbewohner. Da gibts Auslegungen, die sagen: Was solls, dann vom übernächsten. Ich verstehe darunter übrigens auch das Leben, das mir keiner nehmen darf.

Komme ich also langsam wieder zurück. Ich frage mich wieder: Darf ich das? Darf ich das so schreiben? Darf ich das so auslegen? Ja, darf ich, denn ich sehe es als kritischer, westlicher Christ. Aufgewachsen im evangelischen Glauben, inzwischen KEINER Religion mehr angehörend. Ich glaube. An Gott. An einen Gott. Ich will an einen Gott glauben, der für alle Menschen da ist. Meiner heißt nicht Allah, nicht Zeus, nicht Jehowa. Meiner heißt Gott. Jetzt frage ich mich, bin ich deshalb Christ? Glauben nicht auch die Morgenländler an Gott? Also bin ich wohl auch Islamist. Stimmt, ich kann das nicht so einfach reduzieren. Ich bin im christlichen Glauben erzogen und aufgewachsen. Für mich zählen christliche Werte. Abgesehen von meinen Büchern, in denen ich gern morde, bin ich ein friedfertiger Mensch. Es heißt meines Wissens nicht nur in der christlichen Religion, das du nicht töten sollst, das du nicht den Namen deines Herrn missbrauchen sollst, das du nicht andere Götter neben ihm haben sollst, das du keinem nehmen sollst, was ihm gehört. Macht da Charlie hebdo wirklich nur Satire, wenn die in Karikaturen einen Gott  oder „nur“ einen Propheten beleidigen? Würden die einen christlichen Gott oder Jesus auch so darstellen? Vielleicht lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, ich kenne nicht eine einzige ganze Ausgabe dieser Zeitschrift. Ich kenne nur das wenige, das derzeit durch die Medien rast. Oder überhaupt, heute geht die Angst vor den radikalen Islamisten um. Wie war es denn vor rund 700 / 800 Jahren? Da ging die Angst vor den Christen um. Da erwähne ich nur die Kreuzzüge, im Namen Gottes. Aus heutiger Sicht waren das wohl radikale Christen.

Wer also frei von Schuld ist, werfe doch bitte den ersten Stein.

Ich jedenfalls verachte nicht den Islam. Nicht das Christentum. Ich verachte keine Religion. Aber ich verachte jede Form von Radikalismus oder Extremität der Religionen. Unötig, unfassbar grausam was in Paris geschehen ist. Aber deshalb die ganze islamisch-glaubende Welt zu verachten geht zu weit. Verachtet die Täter. Verachtet die Gruppe, die hinter den Tätern steht.

In diesem Sinne: Je suis Marcus. Je me identifie à Charlie.

Bitte bleibt mir gewogen!

Euer
Marcus Sammet

Über Marcus Sammet

Über mich? www.marcussammet.de Da wird alles gesagt.
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4 Kommentare zu Ich bin nicht Charlie …

  1. Annette sagt:

    Lieber Marcus,

    dem ist nichts hinzuzufügen. Das unterschreibe ich sofort.

    Das, was in Frankreich passiert ist, ist in ähnlicher Form auch in Nigeria passiert.
    Nur darüber wird nicht so groß berichtet.

    Schade, dass manche Menschen immer meinen, sie haben die Wahrheit gepachtet und vertreten sie bis zum bitteren Ende. Komme was wolle.

    Gewalt ist niemals eine Lösung und daher sollte jeder Mensch bereits in seinem kleinen Kreis damit beginnen, immer nach Alternativen zu suchen.

    Ich wünsche Dir einen wunderbaren Tag und schicke Dir viele Grüße aus Essen rüber,
    die Annette

  2. Lieber Mracus
    du sprichst mir aus dem Herzen, seit vielen jahren versuche ich den menschen klar zu machen, das es nicht die Religion ist sondern der Mensch der die religion aus Macht- und Geldgier benutzt. Da ich im groessten Moslemischem Land der Welt lebe und einen sehr guten kontakt zu den Menschen hier habe, kann ich Nur mit den Kopf schuettelen … Auch ich verachte die Taeter aber auch die jenigen die die Taeter toteten, den das musste nicht sein, in vielen gespraechen mit meinen islamischen Freunden zeigte sich das alle diese Taeter verachten aber und das sagten sie sehr deutlich, man haette die Taeter lebend fangen muessen … denn dann und NUR dann waere die wahrheit ans licht gekommen, das wollte man wohl nicht … und genao so sehe ich das auch …. man wollte die wahrheit nicht sagen … und warum nicht???? weil meiner ansicht nach die wahren Taeter NICHT bestraft werden sollen!!!!

  3. Martina sagt:

    Stimme dir in allem zu.

  4. Dörte sagt:

    Lieber Marcus, ich schließe mich dir vollkommen an. „Darf man das?“ wird in der heutigen Zeit viel zu wenig gefragt. Und das hat für mich nichts oder nicht nur mit Gesetzen zu tun, sondern auch des guten Geschmacks,der Achtung vor anderen Menschen und deren Kultur und deren Religion. Ich bin wahrlich kein Freund des Islam, einfach deshalb weil ich einige wenige Auszüge aus dem Koran gelesen habe und mir das so gar nicht gefallen hat. Das heißt aber für mich nicht, das ich deshalb einen Menschen für seinen Glauben verachte oder mich gar darüber lustig mache. Wie du so schön aufzeigst, die Kreuzzüge waren auch nicht grad menschenfreundliche Spaziergänge. Das was den Charlie Mitarbeiterin passiert ist, lehne ich zu tiefst ab und ich bin erschüttert! Ich kenne diese Zeitung auch nicht, habe erst jetzt im Zusammenhang mit diesem grausamen Geschehnissen einige Bilder der Zeitung gesehen. Ehrlich gesagt, sind mir einige zu weit gegangen. Und das nicht nur die den Islam betreffend. Ich habe auch welche gesehen, die auf die katholische Kirche zielten. Für mich waren da die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Muss man alles , besonders was anders ist, so lächerlich machen, besonders in der Öffentlichkeit? Ganz besonders möchte ich aber hier betonen, das ich trotz meiner Einstellung das Attentat aufs tiefste verachte und ablehne, Gewalt ist niemals eine Lösung!

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