Der Zombie von Last Christmas

Ich will jetzt nicht auf das Wetter wettern. Würde auch nichts bringen und sicher wäre es angebracht, Valentinisch zu denken: Ich freue mich, wenn es schneit, denn wenn ich mich nicht freue, schneit es auch. (Im Original heißt es „regnet“ „wink“-Emoticon ) Nicht nur, dass wir inzwischen den 27. April haben, nein, auch alles was so an Pflanzen aus dem Winterschlaf erwacht, friert sich gerade die Wurzeln ab. Es war ja bereits gestern schon so, dass ich im Schneesturm nach Hause gegangen bin. Doch heute Morgen kam mir dann beim Anblick der weißen Pracht George Michaels „Last Christmas“ in den Sinn und der Gedanke, beim Radiosender anzurufen, um mir diesen Top-Aktuellen Hit mit dem Ausruf: „Erster!“ zu wünschen. Egal, immer den Satz von Karl Valentin vor Augen, schlurfe ich schlafbesoffen zur Bushaltestelle um erst dort zu merken, dass ich rund 5 Minuten zu früh losgegangen bin. Folgerichtig wäre der Bus beinahe vorbei gefahren, denn der Fahrer ging wohl davon aus, dass jemand einen Schneemann an der Bushaltestelle gebaut hatte. Immerhin erkannte der Mann, dass sich der Schneemann keinesfalls selbstständig bewegen konnte und hatte zum Glück die Eingebung doch noch anzuhalten. Dankbar auftauend suchte ich mir einen Platz über einem der Heizlüfter im Bus. Bis zu meinem Umsteigepunkt gesellten sich nach und nach weitere Schneefrauen und -männer. Bei einem müden Blick durch den sich füllenden Bus, erkannte ich, wie sinnvoll es doch ist, dass die Türen nicht wirklich dicht abschließen und das Tauwasser abfließen kann. Einen Moment lang tauchte das Bild eines fahrenden Aquariums mit darin schwimmenden Fahrgästen vor meinem geistigen Auge auf.

Allerdings war ich heute nicht der Einzige, der sehr müde seinen Weg zu seinem Arbeitsplatz gesucht hat. Kam mir doch in den Katakomben des Münchner Hauptbahnhofs ein Zombie entgegen. Gut gekleidet und nicht halb verwest wirkend, kam mir dieser im klassischen Zombie-Schritt entgegen, zielgerichtet auf die nächste im Weg stehende Wand. Ein zweiter Blick schickte ein bewusstes Bild zu meinem langsam erwachenden Hirn und zeigte mir, der Mann starrt NICHT auf sein Smartphone. Noch andere bemerkten, dass der Mann einen Weg einschlug, der mindestens mit einer Beule an der Stirn enden muss. So war es dann auch. Er wurde erst durch die Mauer gebremst, die sich das Recht raus nahm, nicht zur Seite zu gehen. Jetzt wurde klar, der Zombie war wohl beim Gehen irgendwie seinem Bedürfnis nach Schlaf nachgegangen. Ein irritierter Blick auf die unfreundliche Wand und ein kopfschüttelndes Lächeln brachten den Zombie in die reale Welt zurück. Schön, wenn jemand über sich selbst lachen kann. Was ich kurz darauf auch tun musste, denn meiner Neugier folgend, ob der Mann tatsächlich sehenden Auges gegen die Mauer läuft, wäre ich selbst beinahe gegen einen Mauervorsprung gelaufen.

Es drängte sich zwar der Gedanke auf, dass es nicht echt war und irgendwo jemand stand, der die ganze Szenerie gefilmt hat und ich nun selbst als Zombie-Kopie in einem Video auf Youtube zu finden sein werde, aber was solls. Über sich selbst lachen können macht das Leben oftmals leichter.

Ich versuche dann mal meinen Kaffee zu wecken und meinen Schreibtischstuhl in eine aufrechte Position zu bekommen.

Bleibt munter, gut gelaunt und mir bitte gewogen!

Euer
Marcus Sammet

 

Über Marcus Sammet

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2 Kommentare zu Der Zombie von Last Christmas

  1. Lieber Marcus,

    es ist immer wieder erfrischend, wie Du große und kleine Aktionen und Reaktionen Deiner Mitmenschen und von Dir beschreibst. Was hältst Du davon, wenn Du all diese Situationen in ein tolles Buch verwandelst?
    Ich finde diese Idee toll – Humor und Witz kommt immer gut. 🙂 😉

    Einen ganz lieben Gruß aus Essen sendet Dir
    Deine Annette

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