Von toten Torten und ge(weih)räucherten Nachbarn

Kommunion. Ein Ergeignis das prägt. Prägen soll. Im Leben eines jungen … ok, Mannes wäre übertrieben, aber eines heranwachsenden Mannes eine Art Meilenstein.

Für seinen Stiefvater – andere sagen da wohl eher Beutekind oder Bonuskind bzw. -Vater -, der im evangelischen Glauben erzogen wurde, gleich mit. Zum einen war es für mich das erste Mal überhaupt an einer Kommunion inklusive Gottesdienste teilzunehmen und zum anderen bei so einem wichtigen Moment dabei sein zu dürfen. Aber von Anfang an.

Gefeiert wird daheim, das stand von vornherein fest. Dementsprechend gab es einiges zu organisieren und einzukaufen. Größere Katastrophen sind ausgeblieben, was mich offen gesagt gewundert hat. Selbst für den Frisör-Besuch blieb ausreichend Zeit. Auch das abholen und lagern der großen Torte klappte reibungslos. Zu guter Letzt hat es dann auch das Wetter mit uns mehr als gut gemeint und am gestrigen Sonntag die Sonne scheinen lassen.
Dann kam der Tag. Heimlich schlich er sich heran. Um 5:40 Uhr wurde meine geliebte Brigitte aus dem Schlaf gerissen. Ich selbst hätte wohl an einem Sonntag um diese Zeit ohne Führer nicht den Weg ins Bad gefunden. Sie bekam das hin, unfallfrei und mit kleinem Umweg an der Kaffeemaschine vorbei. Respekt. 6:30 Uhr hätte mich dann mein Wecker aus dem Schlaf reißen sollen. 6:40 Uhr wurde ich dann liebevoll von einer extrem gutaussehenden Frau geweckt. OK, Traumfrauen heißen Traumfrauen, weil Mann von ihnen träumt. Jetzt wirds dann aber Zeit zum aufwachen. Falsch, kein Traum, die Frau ist real und küsst mich sanft wach. Schreckensblick auf die Uhr und den Wecker. Erste Erkenntnis des Tages: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Auch bei kleingedrucktem. Denn unter der Weckzeit stand: Montag bis Freitag. Kein Wunder, das mich das Ding dann am Sonntag nicht weckt. Also aufgeschreckt aus den Federn und rein ins Bad. Eben auf der Kloschüssel angekommen mahnt ein Klopfen zur Eile und ich merke: Wird voll mein Tag. Geschäft also schnell erledigt, den Klopfer ins Bad gelassen und die Zeit mit dem ersten Kaffee des Tages überbrückt. Nachdem das Bad wieder frei war hatte ich mich  restauriert und schnell noch eine Kleinigkeit gefrühstückt. Grund dafür ist einfach: die sehr christliche Kommunion fand zu einer – wenigstens für mich an Sonntagen – unchristlichen Zeit statt. 8:30 Uhr hieß es dort zu sein um für das Gruppenfoto bereit zu stehen.

Die Parkplatzsituation dort kennend trieb ich also alle zu etwas Geschwindigkeit an, um nicht erst just-in-time zum Fototermin dort zu sein. Gut getan, wie mir später bestätigt wurde. Wir konnten noch direkt vor der Kirche parken, während andere wohl einen Parkplatz in Busreichweite suchten oder Einfahrten zuparkten um dann das Auto fachgerecht vom Abschleppdienst auf einem Großparkplatz gegen Gebühr abstellen zu lassen. Kaum in der Kirche stellte sich heraus, dass die Schuhwahl falsch war. Passten zwar hervorragend zum Anzug aber nicht zum harten Steinboden. Der Kommunions-Gottesdienst war überfüllt. Die ersten Reihen reserviert (mir war nicht bewusst, dass ich eine Bank bestellen kann, ähnlich wie einen Tisch im Restaurant) und somit galt es hinter der letzten Reihe zu stehen. Sicht auf den Stiefsohn war gleich Null. Kein aufmunternder Blickkontakt zur Motivation möglich. Der Gottesdienst zog sich dahin. Eine Predigt blieb aus, die Lieder überraschend modern intoniert. Beides überraschte mich positiv. Weniger positiv überraschte mich die Tradition, die Kirche mit Weihrauch zu vernebeln. Doch entweder wird heutzutage eine mildere Sorte genommen oder die Kirche ist erstaunlich gut belüftet. Es war nicht viel von dem Zeug zu riechen. Nach gut 90 Minuten hatten die Kinder ihre Kommunion empfangen und ich durfte versuchen, den Brei unterhalb meiner Kniescheiben als Beine zu fühlen und diese wieder in Bewegung bringen. Immerhin war es nun vorteilhaft in der letzten Reihe gestanden zu haben, denn der Weg nach draußen war schnell dahingewabert. Hier wurden dann noch einige Fotos geschossen und dann ging es zurück nach Hause.
Auch hier stand zunächst Fototermin an. Stiefsohn mit diversen Familienmitgliedern, ganze Familie und nur mit Teilen davon. Dann war es soweit, der Grill konnte und musste gezündet werden. Kohle und Anzünder schön aufgeschichtet und in Brand gesteckt. Aber die Flammen waren unwillig und verkrochen sich zunächst hinter selbstgeworfenen Nebel. Dicht und in den Augen beißend. Selbstredend konnte ich dann die Anzünder mit ziemlicher Hitze überzeugen, doch zu brennen und die Kohle zum glühen zu bringen. Der Grillspaß konnte beginnen. Kurz darauf auch ein erneutes Einräuchern der Nachbarn. Wie gern hätte ich jetzt etwas Weihrauch zur Hand gehabt um mich mit dem zu würdigendem Sonntag rauszureden. Seltsamerweise kamen keinerlei Beschwerden und auch die Hustenanfälle der Gäste wurden wieder leiser. Bald darauf brutzelten die Leckereien auf dem Rost.

Das Mittagessen war vorbei, jeder hatte seinen Magen wohlig gefüllt und gab sich angeregten Gesprächen hin, gerade gemütlich wars. Die Kinder und die es noch sein wollten tobten mit einer Wasserschlacht durch den Garten und ich musste irgendwie an Water-loo denken. Langsam wurde es Zeit für einen Kaffee und der verlangte selbstredend nach einem Stück Kuchen, damit er nicht so einsam auf den Tisch steht. Die schönste Fast-Ehefrau der Welt holte aus den kühleren Katakomben des Hauses die Torte herauf und ließ diese ausreichend bewundern. Diese war einer aufgeschlagenen Bibel nachempfunden, zeigte in schokoladigem Schriftzug Namen und Kommunionsdatum ihres Sohnes. Selbstverständlich wurde alles im Bild festgehalten, damit der Bub farbenprächtige Erinnerungen haben würde. Seine Oma hatte inzwischen noch ihre selbstgebackene, köstliche Erdbeertorte geholt und es ging an die Kaffeetafel.
Leider war die Kommunions-Torte nicht gar so lecker wie ihr äußeres vermuten ließ. Vielleicht waren auch nur die Erwartungen an den Konditor zu hoch, doch eine Torte die nach fettreichem Zucker schmeckt, war nicht das, was erwartet wurde. Dennoch ging Stück um Stück auf die Teller und anschließend in die Mägen, auch wenn es eher tote Torte war, Kommerz lässt grüßen.
Bald darauf löste sich die Runde auf und wir vier bereiteten uns auf die Dank-Andacht vor. Auch dieses Mal trieb ich zu Recht zur Eile an, um frühzeitig noch einen guten Parkplatz zu erwischen, der nicht weiter weg lag als unsere Wohnung. Die Taktik funktionierte erneut, allerdings hatten wohl einige andere auch dazugelernt. Mir kam der abgeschleppte vom Vormittag wieder in den Sinn, da dieser nicht erneut ausgerufen wurde, parkt der entweder korrekt oder nach wie vor auf dem Sammelparkplatz. Auf die Minute pünktlich ging es dann auch los, ohne Rücksicht auf die letzten Nachzügler.

Ich muss eingestehen, der Pfarrer gefiel mir. Seine Art mit den Kindern zu agieren kam gut an. Neben mir platzte Bens Mutter fast vor Stolz, wie ihr Sohn sich meldete um der Bitte des Pfarrers nachzukommen, Jesus für etwas an diesem wunderbaren Tag zu danken. Leider saßen wir dieses Mal recht weit vorn und ich hatte mit dem Weihrauch deutlich mehr zu kämpfen. Die Übelkeit blieb dennoch aus, denn auch jetzt schien die Belüftung des Kirchenschiffs wunderbar zu funktionieren.

So ging dann ein wunderbarer Tag zu Ende. Mir fehlte allerdings, dass in der Kirche die Mütter nicht ihres Ehrentages wegens erwähnt und gewürdigt wurden. Doch Brigittes Kinder hatten sie gleich am Morgen mit selbstgebastelten Kleinigkeiten und extrem viel Herzenswärme überrascht.

Kommunion 2016? Ich war dabei. Soll ich euch was verraten? Ich freue mich auf die Nächste!

Bitte bleibt mir gewogen.

Euer
Marcus Sammet

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