Das böse Amazonien

In den letzten Tagen begegnete mir wieder vermehrt die Verteufelung von amazon. Das böse, böse amazon macht den Einzelhandel tot; das böse, böse amazon ruiniert den Buchhandel.

Gerade in den Schaufenstern von einigen Buchhandlungen sind Plakate gegen amazon zu finden. Auf denen wird hingewiesen, wie unpersönlich es ist, dort zu bestellen, wie unmenschlich die Arbeitsbedingungen dort sind und Beratungen nicht stattfinden können.

Was macht denn amazon so böse? Das die Gründer den Gedanken von Versandhäusern konsequent zu Ende gedacht haben? 1927 wurde das Versandhaus Quelle gegründet. 1949 folgte der Otto Versand und 1950 Neckermann. Zahlreiche andere folgten im Laufe der Zeit. Anfangs nur mit gedruckten Katalogen aus denen bestellt werden konnte. Vergünstigungen gab es dann für Sammelbesteller, die von Nachbarn Bestellungen entgegen nahmen um Versandkosten zu reduzieren. Inzwischen haben diese Versandhäuser alle ihre Online-Shops. Nicht nur die. Wenn ich da allein an die großen Buchhändler denke, wie Hugendubel, Weltbild, Thalia etc. dann frage ich mich, warum diese besser und unschädlicher für den Buchhandel sind, als amazon. Denn sie alle haben große Online-Shops.

Für mich als Autor sind eher die „kleinen“ Buchhandlungen die Schädlichen. Die Akzeptanz der meisten, einem kleinen, unbekannten und lokal ansässigen Autor gegenüber ist gleich Null. Was bleibt einem Autor da, als auf amazon zu setzen? So schafft der Buchhandel sich selbst als sein eigenes Feindbild. Gott sei Dank gibt es Ausnahmen, doch leider sehr wenige.

Warum ist das so? Weil auch die lokalen Buchhandlungen auf Profit aus sind. Sie werben und predigen ständig: Buy lokal! Kauf vor Ort! Doch wenn ein lokaler Autor mit seinem ortsbezogenen Buch kommt, wird er meist höflich, aber doch bestimmt des Weges verwiesen. Ganz besonders dann, wenn erwähnt wird, dass die Bücher auch bei amazon erhältlich sind. Ganz besonders, wenn er Selfpublisher ist.

Dabei scheint es aber auch so zu sein, dass je größer die Stadt, desto „feindlicher“ die Einstellung der Buchhandlungen. In kleinen Orten kommt es immer wieder zu erfolgreichen Kooperationen zwischen der lokalen Buchhandlung und dem Noch-nicht-Bestseller-Autor. Doch von diesen Buchhandlungen kommt auch seltener das Gejammere, wie böse amazon doch ist.

Wie sind eure Erfahrungen? Schreibt es mir doch hier in die Kommentare, ich bin gespannt!

Bitte bleibt mir gewogen, auch wenn ich amazon mag.

Euer
Marcus Sammet Autor der „Sterbe wohl…“ Reihe.

Zu bestellen überall im Buchhandel und bei amazon

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5 Kommentare zu Das böse Amazonien

  1. nyleve sagt:

    Amazon ist nicht deshalb böse. Es sind die schlechten Arbeitsbedingungen, der nicht bezahlte angemessene Tarif und die Verschiebung der besteuerbaren Gewinne ins Ausland. Hol dir doch die Bücher über Hugendubel, der auch Ausbildungsplätze anbietet und deine Lebensmittel über rewe (oder andere sinnvolle Alternativen )

    • Bei mir ist das anders gelagert, ich würde meine eigenen Bücher der Thriller Reihe „Sterbe wohl…“ http://www.sterbe-wohl.marcussammet.de als Münchner Autor mit Handlungen meist in München gern in den Münchner Buchhandlungen sehen. Doch der lokale Buchhandel mag lokales eben nicht, weil nicht bei seinem Großhändler gelistet. Der Buchhandel geht dabei sogar so weit zu behaupten, das es mich nicht gibt. Trotzdem jammert der Buchhandel das doch der gemeine amazon ihr Geschäft kaputt macht und man doch lokales lokal kaufen soll. (Als Beispiel kann ich die Buchhandlung Lentner nennen (Neubiberg / Marienplatz ) )

  2. Natürlich sind auch die kleinen Buchläden auf Profit aus. Jedoch sollten dessen Besitzer auch einsehen, dass es für viele Menschen einfach praktischer ist ihre Literatur im Internet zu bestellen. Das geht bequem von zu Hause aus, zudem ist auch die Auswahl größer. Und wie erwähnt, für kleine „Self-publisher“ ist Amazon auch ein Segen. Trotzallerdem sollte Amazon darüber nachdenken die Arbeitsbedingungen für seine Mitarbeiter zu verbessern.
    Grüße,
    Robin von http://www.herr-eshahn.de

  3. Dörte Klöppel sagt:

    Hallo Marcus, ich kenne das selbst. Ich wollte mal bei einem hiesigen Buchhändler einen befreundeten Autor vorschlagen, der dort eine Lesung halten würde. Zur Antwort bekam ich kurz und knapp: Nur bekannte Autoren. Fand ich gar nicht gut. Und Beratung hab ich bei lokalen Händlern auch nicht gefunden. Wobei ich im Internet Bewertungen lesen kann und dadurch so einiges mitnehmen kann. Ich bin auch kein Amazonverteufler. Ich habe erst gestern Preise verglichen in einer anderen Branche und der Einzelhandel vor Ort hat deutlich den Kürzeren gezogen. Sicher, der Onlinehändler brauch keine Ladenmiete zahlen und mit Löhnen für Angestellte sieht es auch anders aus. Nur verdient der Kunde soviel, das es ihm egal ist, ob er den Preisunterschied beim lokalen Händler lässt? Tja und was die Bücher betrifft … so sollte man sich auch mal überlegen, wo der größte Gewinn eines Buches bleibt! Mit Sicherheit nicht beim Autor. Wen wundert es dann wenn ein Autor zum Selfpublisher wird und nicht den Handel mitverdienen lässt. Lieben Gruß, Dörte

    • Ganz genau so sieht es aus. Der Buchhändler, der in der Regel die Bücher eines unbekannten Autors bzw. ein Buch das nicht in seinem Laden steht, bestellt, bekommt schon für diesen sehr geringen Arbeitsaufwand von wenigen Minuten bis zu 30% vom Netto Verkaufspreis. Der Autor, der meist mehrere Monate benötigt um das Buch zu schreiben, bekommt deutlich weniger.
      Vom Großhhändler, der nur einen Mail entgegennimmt und weiterleitet mal ganz zu schweigen.
      Aber wie erwähnt, es gibt zum Glück noch Buchhandlungen, die auch unbekannte, lokale Autoren unterstützen. Sehr lobenswert und ich wünschte mir, das so etwas häufiger vorkommt.

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