Kindermund tut Wahrheit kund

Das liegt wohl an der Unschuld im Kinde. Es hat im Normalfall noch kaum negative Erfahrungen gemacht und auch die Unwissenheit über einiges aus dem Leben der Erwachsenen macht Kinder zu Menschen, die sehr harmlos denken. Sie verstehen bestimmte Zusammenhänge nicht. Liebe ist für sie nichts weiter als die Liebe zu ihren Eltern. Darum treffen manche Wahrheiten die vom Kindermund kund getan werden wohl so manchen Erwachsenen sehr hart. Besonders, wenn dies dann in der Öffentlichkeit geschieht.
So gestern im Bus, wo ich ein Gespräch mithören musste. Musste? Ja, ich gehöre zu denen, die nicht überlaut Musik aus Kopfhörern dröhnen lassen. Deshalb bekomme ich zwangsweise Gespräche mit, die in meiner unmittelbaren Umgebung stattfinden.
Also auch folgenden Dialog (Namen geändert!):
Kind: Tante Andrea, kann der Onkel Bernd mir heute Schokolade statt Gummifutzel mitbringen, wenn er zur Mama kommt?
Tante Andrea: Der Onkel Bernd kommt doch heute nicht zur Mama, der geht mit seinem Kumpels zum Kegeln
Kind: Aber der Onkel Bernd kommt doch jeden Dienstag zur Mama. Da bringt er mir immer Gummifutzel mit und tut was in mein Sparschwein.
Tante Andrea: Nein, da musst Du Dich täuschen. Onkel Bernd trifft sich mit Freunden.
Kind: Nein, der Papa kommt Dienstags immer spät nach Hause, und deshalb kommt der Onkel Bernd, damit die Mama nicht so alleine ist. Dann bekomme ich immer Gummifutzel und er tut mir was in Sparschwein. Dann darf ich ganz viel Fernsehen gucken und die Mama geht mit dem Onkel Bern Fickifacki spielen.
Tante Andrea, sichtlich blasser geworden: Die spielen was???
Kind: Onkel Bernd hat gesagt, er spielt mit der Mama Fickifacki, das können nur Erwachsene spielen. Und das ist ganz anstrengend, die machen dann immer so Geräusche und der Onkel Bernd geht dann immer noch duschen, wenn sie mit spielen fertig sind.
Tante Andrea hat die Lippen inzwischen fest zusammengepreßt und ist den Tränen offensichtlich sichtlich nah. Ich muss aussteigen und sehe so manchen, der das Gespräch ebenfalls gehört hat grinsen. Ja, ich gebe zu, auch ich habe ziemlich grinsen müssen. Doch auf dem Weg nach Hause, wird mir die tragweite dessen bewusst, was das Kind mit seinem Wunsch nach Schokolade ausgelöst hat. Gestern gab es sicher irgendwo in der Nähe der Buslinie noch mindestens einen, wenn nicht sogar zwei heftige Ehestreits. Mit diesem Gedanken verlor sich mein Grinsen sehr schnell wieder. Ein anderer Gedanke macht sich breit in mir. Wo ist sie hin, die kindliche Unbeschwertheit? Der unschuldige Glauben an das Gute im Menschen, insbesondere an das Gute in denen, die uns täglich umgeben. Wann ging das verloren?

Nun, ich hoffe, das bei diesen betroffenen Familien gestern alles gut ausging. Das sich das Kind geirrt hat und alles ganz anders ist, als es wahrgenommen wurde.

Bleibt euren Partnern treu, bleibt euch selbst treu und vielleicht holt ihr euch auch ein wenig von der Unschuld aus Kindertagen zurück. Bitte bleibt auch mir gewogen.

Euer
Marcus Sammet

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