Auto-

aber nicht KFZ.

Autoimmunerkrankung ist das Thema heute. Damit möchte ich den Blogartikel von meiner Freundin und Leidensgenossin Dörte Klöppel aufgreifen. Sie hat gestern, am 18.11.2014 über CED und seine Auswirkungen körperlicher und menschlicher Weise geschrieben.

Doch es gibt noch viel mehr. CED, also die chronisch entzündliche Darmerkrankung, gehört auch zu den Autoimmunerkrankungen. Ich selbst leide noch an weiteren Krankheiten, die zu dieser Kategorie gehören. Eben Diabetes. Insulinpflichtig. Das heißt für mich täglich mehrmals den Blutzuckerspiegel testen. Drei Mal mindestens. Nur ein kurzer Pieks. Am Tag bis zu fünf. In der Woche locker 35. Im Jahr über 1800. Wer also sagt, „Ist doch nur ein Pieks“ sollte jetzt noch mal drüber nachdenken. Dazu kommen noch die Insulinspritzen. Zu jeder Mahlzeit mit Kohlenhydraten. An dieser Stelle einen lieben Gruß mit Augenzwinkern an alle Vegetarier. Kohlenhydrate finden sich ausschließlich in vegetarischer Kost. Nein, nicht in jeder! Fleisch ist frei davon. So ist das halt. Aber halt in jeder Form von Obst, in allem, was zu Mehl verrieben werden kann. Ja sogar in vielen Gemüsen wie Erbsen, Kartoffeln, Linsen. Alles nicht schlimm, den Blutzucker bekomme ich mit Insulin in den Griff. Nur ein Pieks (schon wieder) und ab ins Fettgewebe mit dem Hormon, das meine Bauchspeicheldrüse nicht mehr von sich gibt.

Doch es gilt aufzupassen. Genau schätzen ist angesagt. Genau schätzen? Ist doch ein Widerspruch in sich. Genau deshalb, weil sich anhand des Blutzuckerspiegels ausrechnen lässt, wie viel Insulin gespritzt werden muss. Dabei sollte berücksichtigt werden, ob und wie viel noch an Bewegung oder gar Sport folgt. Je nach Sportart kann ich sogar aufs Spritzen verzichten. Ein langer, ausgiebiger Spaziergang zum Beispiel senkt den Blutzucker ebenfalls.

Es kommt aber doch immer wieder vor, das ich (und sicher auch andere Diabetiker) mal einen Berechnungsfehler mache. Denn nicht nur das Berechnen der richtigen Insulinmenge ist wichtig, sonder auch das Einrechnen der Wirkungsdauer. Schnellwirkende Insuline wirken bis zu vier Stunden im Körper. Langzeitinsuline bis zu 24 Stunden. Wenn ich das Mal nicht bedenke, dann kann es vorkommen, das ich in den Unterzucker komme. Um mal Werte zu nennen: Ein Blutzucker von 100 ml/dl ist der „gesunde“ Wert. Den erreicht ein Gesunder nach ca. 1 – 2 Stunden nach dem Essen allein, ein Diabetiker spritzt Insulin und erreicht diesen Wert bis zu 4 Stunden nach der Mahlzeit. Unterzucker fängt bei mir bei ca. 70-80 ml/dl an. Es kommt aber auch vor, dass ich nachts nach falscher Berechnung und Berücksichtigung der Wirkungszeit mit einem Wert von 40 oder weniger aufwache. Aufgewacht um 2 oder 3 Uhr durch Zittern, Schwindelgefühl, Ausbrüche von kaltem Schweiß, das Herz schlägt schneller, die Atmung wird schwer. Im Grunde so, als hätte ich einen 1.000-Meter-Lauf hinter mir. Als ungeübter natürlich. Aufstehen fällt schwer, es ist eher ein schwankendes schweben zum Blutzuckermessgerät. Unsinn, erst zu messen, wenn klar ist, dass der Unterzucker eingetreten ist. Also gleich versuchen, den Traubenzucker mit zitternden Händen aus seiner Folie zu befreien. Das Täfelchen zu zerbeißen fällt schwer. Noch während ich das Erste esse packe ich das nächste aus. Es folgen noch weitere drei, vier oder fünf. Mit jedem Täfelchen geht es besser. Trotzdem, die Kniee sind immer noch weich. Kalter Schweiß rinnt noch von der Stirn, ist auf dem ganzen Körper zu spüren. Zwischendurch mal den Zucker messen, um zu wissen, wie tief der Zuckerspiegel gefallen war. Der Traubenzucker wirkt, die Atmung wird regelmäßiger, das Herz schlägt wieder ruhiger. Allerdings, es reicht nicht Traubenzucker zu essen. Der jagt den Zucker zwar schnell wieder hoch, doch wird der so schnell wieder „verbrannt“ das länger wirkende Kohlenhydrate her müssen. Mal eben Kartoffeln kochen? Oder Nudeln, geht ja schneller? Nein, ganz sicher nicht. Obst wäre gut. Doch mitten in der Nacht Obst essen? Klingt jetzt absurd, doch richtig essen fällt mir jetzt sehr sehr schwer. Als ran an den Löffel und an das Glas mit Nutella. Oder Honig. Oder Marmelade. Ab in den Mund und nur noch schlucken. Geht schnell und tut gut. Sicher gibts viele Diabetiker, die des Nachts etwas essen können. So ist es von Mensch zu Mensch anders.

Was mich betrifft, nach so einer Nacht bin ich erschöpft. Danach schlafe ich relativ schnell ein. Der Schlaf ist recht tief und fest. Der Wecker geht und ich versuche den Tag normal zu beginnen. Es funktioniert mal, mal nicht. Die Müdigkeit, die Erschöpfung steckt in den Knochen, ist deutlich zu spüren. So kommt es dann, dass ich entweder daheim bliebe und mich erhole oder doch ins Büro gehe. Gehe ich, weiß ich allerdings genau, dass ich nicht viel Leistung bringen kann. Dazu kommt, dass ich meist sehr leicht zu reizen bin. Klar, ich versuche mich zu beherrschen. Gelingt nicht immer und ich werde nicht als jemand wahrgenommen, der eine unruhige, anstrengende Nacht hinter sich hat, sondern als ein grundlos schlecht gelaunter Kollege. Bleibe ich zuhause gibts schon mal Gerüchte. „Macht mal auf krank für einen schönen Tag“ „Hat Montag“ oder Ähnliches. So etwas erfahre ich natürlich nicht direkt, sondern über Umwege.

Nun, niemand sucht sich seine Krankheiten aus. Auch wenn ich diverse Autoimmunerkrankungen habe, keine davon freiwillig. Leider ist mir auch keine davon anzusehen. Ich bin groß, habe relativ breite Schultern, mein Gewicht ist auch höher als es sein sollte. Wirke alles andere als schwach. Ein großer, kräftiger Bär. Doch dieser Schein trügt. Schwerbehindert zu sein heißt nicht zwangläufig körperlich behindert zu sein im Sinne von fehlenden Gliedmaßen oder Lähmungen. Innere Krankheiten sind auch körperliche Behinderungen.

Zu guter Letzt möchte ich mit einem Mythos aufräumen und euch allen eine Bitte stellen:
Wenn ihr jemanden irgendwo findet, der kaum ansprechbar ist, schwitzt, zittert und evtl. wirres Zeug redet, so kann es sein, das diese Person extrem im Unterzucker ist. BITTE habt keine Hemmungen ihm zu helfen, ruft umgehend die Rettung. Gebt diesem Menschen Zucker, Honig, Nutella, Schokolade! Bitte auf keinen Fall süße Getränke! Es kann sein, dass diese Person nicht richtig schlucken kann und die Flüssigkeit in die Lunge gerät.

Es ist ein Mythos, das ein Diabetiker, der zitternd, schwitzend mit schneller Atmung und nervösen Augen sein Insulin benötigt. FALSCH! Bitte durchsucht eine solche Person nicht nach seinem Insulinpen und spritzt es ihm. NO GO!

Bitte bleibt gesund oder werdet es. Falls ihr chronisch krank seid, bleibt so fit wie möglich und passt auf euch auf! Schämt euch eurer Krankheiten nicht und klärt euer Umfeld auf.

Bleibt mir bitte gewogen!

Euer
Marcus Sammet

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