Es beginnt mit einem einzigen Gedanken

Es beginnt mit einem einzigen Gedanken. Immer. Bei einem einzigen Menschen. Ähnlich wie ein Virus, der sich von einem Wirt zum zweiten, von den zweien zu jeweils weiteren zweien tragen lässt. Ihr kennt die Schachbrett-Geschichte. Auf dem Feld mit der Nr. 64 liegen quasi unendlich viele Reiskörner. So ist das mit Viren auch. Oder eben mit Gedanken. Plötzlich ist ein einziger Gedanke in unendlich vielen Köpfen und Überlegungen.

Ein einzelner Gedanke, gedacht von jemand mit sanftem Gemüt. Nehmen wir an, dieser Denker sitzt irgendwo da, wo er eher einsam lebt. Winziges Dorf, ein paar Häuser, eine Kirche, eine Post, eine Wirtschaft. Er hört Radio, schaut Fernsehen und das Internet zeigt ihm noch viel mehr von der Welt. Plötzlich ist er da, dieser Virus. Hüpft von Fledermaus zum Menschen, von da an nur noch von Mensch zu Mensch ungeachtet seiner Herkunft, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit. Scherrt sich nicht darum, dass es Grenzen gibt, ist ihm egal, dass er zum Einreisen in fremde Länder einen Pass benötigt. Er macht einfach. Fühlt sich wohl in feuchten Rachenhöhlen und löst so dann und wann eine schwere Lungenentzündung aus, die gern auch zum Tod führen darf. Gern? Nein, der Virus fängt zu überlegen an: „Was nutzt mir ein toter Wirt? Nee, da ist was nicht so richtig.“ Dennoch, noch weiß er das Problem nicht zu lösen und hüpft fröhlich weiter. Unser einsamer Denker denkt. Denkt darüber nach, was das nun wieder sein soll. Corona. Also eine Art zackige Aura um etwas herum. Und Bier. Das Bier kennt er auch. Zumindest hat er davon gehört, denn er trinkt ja nur das Bier aus der Zapfanlage beim Wirt im Dorf. Auf dem Weg dorthin, denkt er so vor sich hin. Die Sonne scheint, die Felder fangen in der Frühlingsluft an zu blühen. Wie seine Fantasie. Virus. So klein, dass er nicht aufzuhalten ist. Vermutlich sogar kleiner als Luft. Aber kann etwas kleiner als Luft sein? Natürlich nicht. Also ist das frei erfunden. Offenbar will man ihm da etwas einreden. Die Regierung hat ohnehin schon dafür gesorgt, dass er von seinen Einkünften kaum leben kann. Die ganzen Politiker haben ihm ja alles genommen. Keine Förderungen mehr, seine Preise werden nach unten gedrückt und seine Käufer verkaufen alles noch teurer. Jeder ist gegen ihn. Plötzlich funkt der Gedanke: „Hallo? Merkst das nicht? Da ist ein Virus, der soll dich vernichten. Mit diesem Virus wird dir alles genommen, was du jetzt noch hast.“ Je näher er der Wirtschaft im Dorf kommt, desto überzeugter ist er von diesem Gedanken.

Nach durstförderndem Fußmarsch endlich in der Wirtschaft angekommen, hockt sich unser Denker an einen Tisch und genehmigt sich ein, zwei Bier. Ab dem dritten sitzt er nicht mehr allein am Tisch und er lässt seinen Gedanken die Freiheit auf sein Gegenüber überzuspringen. Dort wird der Gedanke willkommen geheißen und man bietet ihm Raum zum wachsen. Ganz klar, dieser angebliche Virus ist eine Erfindung um den kleinen Mann noch kleiner zu machen. Man kennt sich ja im Dorf und weiß genau, keiner hier ist mit einem Virus infiziert. Der Wirt bringt die nächste Runde und bestätigt noch, das ja der Alkohol im Bier desinfizierend ist. Somit seien seine Kunden alle außer Gefahr. Die Bemerkung wird am Nebentisch aufgefangen, man hakt nach beim Urspungsgedankendenker. Und tatsächlich, der Erstgedankendenker hat recht, niemand hier ist mit einem Virus eine Verbindung eingegangen. Dabei sind ja hier in der Wirtschaft schon 20 Leute aus dem Dorf und die Welt scheint vollkommen in Ordnung. Na, der Virus ist wieder so was neumodisches von Städtern erfundenes.

Einen Tag später hört unser Denker, dass Maßnahmen ergriffen werden, den Virus einzudämmen. Kindergärten, Schulen, Geschäfte und vor allem Wirtschaften müssen geschlossen bleiben. Dennoch, weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf, macht er sich auf den Weg zur Dorfwirtschaft. Tatsächlich, die Türen sind geschlossen, kein Bier erreichbar. Andere kommen ebenfalls, um sich vom Bierentzug zu überzeugen. Schnell wird die Stimmung negativ, Protestrufe werden laut. Unser Denker äußert seinen Unmut lautstark, dass daran die Regierung schuld ist, die einen Virus erfunden hat. Alle geben ihm recht, ja nur so kann es sein. Gut eine Stunde lang hämmern sie sich gegenseitig den Gedanken ein, voller Überzeugung, das von „oben“ der kleine Mann vernichtet werden soll. Kindergärten und Schulen sollen ja nur geschlossen bleiben, damit schon die Kinder dumm bleiben und diese Machenschaften nicht mehr durchschauen können. Alle lokalen Wirtschaften dürfen kein Bier mehr verkaufen. Nur noch die Lebenmittelgeschäfte das Zeug aus den großen Brauereien. Bestimmt ist da jetzt etwas drin, das ihren Verstand vernebelt und verhindert das sie eigenständig denken können. Dann kommt noch eine Pflicht, einen Mundschutz zu tragen, damit der Virus sich nicht weiter verbreiten kann. „Mundschutz! Was für ein Blödsinn!“ denkt sich unser Denker. Im ganzen Dorf gibt es keinen, der einen kennt, der jemand kennen könnte, jemanden gekannt zu haben, der je einen kannte, der vom Virus betroffen war. Nicht hier im Dorf, nicht im Nachbardorf, ja nicht mal in der nächstgelegenen Kleinstadt.

In dieser Kleinstadt kam inzwischen der Gedanke von unserem Denker an. Einer, der von einem gehört hat, der von dem gehört hat, dass einer den Denker hat reden hören, das der Virus nur eine Erfindung ist. Auch er kennt niemanden, der von einem Virus angefallen wurde, der den Namen einer Biermarke trägt. Er fängt an zu recherchieren. Da gibt es ein großes, deutsches Institut, das ständig im Fernsehen davon spricht, das sich das Virus unaufhaltsam ausbreitet. Von 83 Millionen Menschen haben 150.000 den Virus. Grob geschätzt und ohne einen Taschenrechner zu benutzen weiß er, das es weniger als 1% der ganzen Bevölkerung ist. Somit ist doch ganz klar, die Regierung will dem Bürger an Fell. Die habgierigen Regierenden wollen mit dieser Viruserfindung den Bürger gängeln, verbieten ihm, die Häuser zu verlassen, verbieten den Kindern zu Bildung zu kommen. Noch schlimmer, nur weil weniger als ein einziges Prozent aller Menschen in Deutschland angeblich infiziert sind, sollen jetzt alle gegen das Virus geimpft werden. Was für eine wunderbare Gelegenheit, den dummen Bürger auch gleich einen Chip in den Oberarm oder Hintern zu schießen, um diesen vollständig zu überwachen. Der Gedanke wächst und wächst und will weiterverbreitet werden. So wie unser kleiner Virus auch. Munter hüpft er immer wieder von Rachen zu Rachen um sich einzunisten. Leider macht ihm das so mancher Mundschutz schwer, doch er kämpft sich durch. Ihn kümmert es nicht weiter, dass er nicht mehr jeden erreicht, denn er ist genügsam, solange dafür gesorgt ist, dass er nicht eingeht. So geht es unserem Weiterdenker auch. Über die Möglichkeit eines geheimen Netzwerks, dem sogenannten Darknet, erreicht er andere Mitdenker, die seinen Gedanken annehmen und weiterdenken. Alle geben ihm Recht, es kann nur so sein, das über die Zwangsimpfung ein jeder einen Chip implantiert bekommen soll, über den er dann gesteuert werden kann. Wie ein ferngelenkter Zombie. Alle sollen zum Werkzeug eines einzigen Politikers gemacht werden. Ganz klar, eine Frau Kanzlerin will eine Frau Diktatorin werden. Deswegen hat sie ja auch schon angekündigt, nicht wieder gewählt werden zu wollen. Denn ein Diktator ernennt sich selbst. Unser Mitdenker in der Kleinstadt vernetzt sich weiter und trifft auf andere Denker. Sie alle denken den Gedanken weiter und bei all dem Denken huscht das Virus an ihren verdunkelten Zimmern mit Darknet-PCs vorbei. Bis dann ein schwindelerregend großer Gedanke einen ausgebildeten Denker mit Promotion erreicht. Und was passiert? Unser Dr. Denker denkt sich, es wäre gut eine Partei zu gründen um all denen, die selbst nur geringfügig denken können, einen Aluhut aufzuschwindeln. Gebildet wie Dr. Denker nun mal ist, nutzt er alle ihm denkbaren Medien, seine gedachten Denkweisen zu unterbreiten. Dabei wirft er sein Gedankensaatgut auf denkbar fruchtbaren Boden. Schnell wächst das Saatgut und die Anhänger seines weitergedachten Denkguts vermehren sich beinahe unaufhaltsam.

Nun, das wirklich positive an der Geschichte ist, dass sich offenbar alle bisher uneinigen Denker und Landesoberhäupter weltweit gedanklich einig sind. Hurra, Corona hilft uns, all diejenigen zu unterjochen, die keine Politiker sind. Alle Staatsoberhäupter und deren Oppositionelle sind mit dem selbem Gedanken infiziert: Corona gibt uns die Macht über alle. Putin liegt vor Glück weinend in den Armen von Trump, Kim Jong Un führt einen Freudentanz mit Erdogan auf und alle wählen die einzig denkbare Frau für die Diktatur der gesamten Welt dieses Universum Angela Merkel. Zur Ernennung kommen führende Islamisten und Christen Oberhäupter in budhistischen Gewändern gekleidet und frohlocken ein bagwahnisches „Heil Namaste!“

Nun, ein bisschen Satire sollte auch mir gestattet sein und ich hoffe, ihr bleibt mir trotz oder gerade wegen dem gewogen.

Euer
Marcus Sammet

Über Marcus Sammet

Über mich? www.marcussammet.de Da wird alles gesagt.
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1 Antwort zu Es beginnt mit einem einzigen Gedanken

  1. Annette sagt:

    Lieber Marcus,
    Danke für Deine ausführlichen Gedanken. Und ja, Satire darf sein.
    Lieben Gruß von der grünen Insel,
    Deine Annette

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