Wenn mal nicht weggesehen wird…

… kann das Folgen haben. Gute!

Ich habe es ja schon hier im Blog gehabt, doch heute möchte ich die ganze, wahre Geschichte noch einmal Zusammengefasst erzählen.

Bianca Bolduan ist eine Heilpraktikerin und hat in Hamburg eine Praxis. Folgendes spielte sich dort und in der Umgebung ab:

24.12.2013, Gestern vor meiner Praxis in Hamburg:
Ich weiß, dass er da ist, der Mann in den abgerissenen Klamotten. Oft steht er vor dem Schaufenster, in dem ich nicht nur meine, sondern auch die Bücher meiner Mit-Autoren aus dem Traumstunden Verlag von Britta Wisniewski stehen habe. Er liebt Bücher, das hat er mir mal erzählt. Und vor allem liebt er Krimis. Die Bücher von Marcus Sammet lassen seine Augen leuchten. Doch Geld hat er keines. Aber es ist doch Weihnachten, denke ich.
Ich nehme das Buch aus dem Schaufenster und winke ihn in die Praxis. Er zögert. Menschen wie er sind hier nicht gern gesehen. Aber was geht mich die kleingeistige Meinung anderer an …?!?! Eine rote Serviette wird zum Geschenkpapier umfunktioniert, ein Gummiband muss als Schleife herhalten, eine Visitenkarte als Weihnachtskarte. Zugegeben, schön ist was anderes!
Er traut sich kaum, die Praxis zu betreten. Ich reiche ihm mein Geschenk. Und weg ist er, verfolgt von den Blicken all derer, die nicht fassen können, was sie gerade sehen.
Als der letzte Patient weg ist und ich meine Sachen ins Auto räume, klemmt hinter meinem Scheibenwischer eine rote Serviette. Darin: Meine Visitenkarte, auf der unter meinen Weihnachtsgrüßen ein ungelenkes „Danke“ steht, und ein winziger Strauß aus allem, was die Natur an Grünem und Schönen noch zu bieten hat. Ich glaube, noch nie hat mich ein „Blumenstrauß“ so berührt.
Euch allen eine frohe Weihnacht, egal, ob ihr Freunde oder Verwandte, fb-Freunde oder „die da draußen“ seid. Möge es für uns alle ein friedliches Fest sein.

08.01.2014
Zwei Krimis von Marcus Sammet für einen Obdachlosen.
Marcus hatte es versprochen und er hat es gehalten. Mit zwei weiteren Krimis mache ich mich auf die Suche nach Karl-Heinz, „meinem“ Obdachlosen, um ihm auch die anderen beiden Bücher der Serie „Sterbe wohl“ zu überreichen. Marcus hat sie mit einem sehr berührenden Text signiert und ich bin sehr gespannt, was Karl-Heinz dazu sagen wird. Als er mich sieht, steht er von der Parkbank auf und sieht mich abwartend an. Freundlichkeit und ein Gespräch sind für ihn schon lange nicht mehr an der Tagesordnung. Ungefähr zwei Sekunden, nachdem ich ihm die Bücher gegeben und erklärt habe, von wem sie sind, fällt mir der Mann um den Hals. Er weint und ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich lese ihm die Widmung vor, weil er die Schrift von Marcus nicht lesen kann. Und wieder weint er.
Ich soll „Danke“ sagen, danke an Marcus für die Bücher, danke an alle, die ihm Gutes gewünscht haben. Er war so gerührt. Ich glaube, es war ein guter Tag für ihn ….!

16.01.2014
„Nun ist die Parkbank leer …!“ oder „Grüße von Karl-Heinz“
Weihnachten 2013 schenkte ich ihm ein Buch, zwei Wochen später gab der Autor Marcus Sammet die beiden anderen Bände seiner Krimireihe obendrauf. „Mein“ Obdachloser liebt Krimis.
Dann die Nachricht eines fb-Kontaktes: „Wenn er will, kann er bei uns wohnen und arbeiten!“
Ich war argwöhnisch, das gebe ich ja zu. Viel zu leicht geraten die Außenseiter unserer Gesellschaft aufgrund ihrer „Schwächen“ an dubiose Zeitgenossen. Doch hier war das anders. Nun lebt Karl-Heinz in einer Stätte für Behinderte, hat sein eigenes Zimmer mit Bad, isst mit den anderen Bewohnern und sorgt als Hausmeister für all die Dinge, die die anderen nicht können. Ich habe ihn besucht. Er ist glücklich. Über die Hälfte seines Lebens hat er auf der Straße verbracht, nun ist das vorbei. Stolz hält er mir seinen Perso hin. Seit heute ist er hier sogar gemeldet. Er ist kein „Obdachloser“ mehr, er hat eine feste Wohnadresse.
Nun ist „seine“ Parkbank leer. Und ich soll euch alle grüßen …!

Zwar bin ich nicht unmittelbar daran beteiligt gewesen, das Karl-Heinz wieder Fuss in der Gesellschaft fassen konnte, doch immerhin bin ich Teil dieser Geschichte und ich bin stolz darauf.

Alles Gute Dir, Karl-Heinz!

Danke Bianca Bolduan für Deinen Einsatz!

Euer Marcus Sammet

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