Ein Tag auf dem Flohmarkt …

… der hat es in sich. Früh morgens um kurz nach fünf ging es auf nach München Riem. Dort ist an jedem Samstag der größte Flohmarkt Münchens. Weit vor dem Gelände entdecken wir den ersten Stau, offenbar der Rückstau der Händlereinfahrt. Also von hinten anschleichen. Kein so schlechter Plan, dachten wir zumindest. Also auf einer anderen Straße einmal um das Gelände herum fahren um dann im nächsten Stau festzuhängen. Allerdings einem deutlich kürzerem. Die Verkehrsführung zwang mich, mich in die bestehende Schlange einzureihen. Ein netter Herr mit einer Frisur die einer Bowlingkugel glich, gab aus seinem weißen SUV gleich eindeutig zu verstehen, das er nicht gewillt war, uns einreihen zu lassen. Ein ‚mit der Hand vor seinem Gesicht wischen‘ unterstrich seine Meinung darüber, das er nicht im geringsten Verständnis dafür hatte, das wir nun ausgerechnet vor seinem schicken, in der Stadt unbedingt notwendigem, geländetauglichem Fahrzeug in der schleichenden Schlange von Fahrzeugen sein könnten. Die Dame in dem Kleinwagen, der sehr wahrscheinlich aus Rüsselsheim stammte, hatte da weniger Probleme und ließ uns einreihen. Kaum das es klar war, das die Schlange zu den einfahrenden Verkäufern gehörte, schaltete sich beim Führer des SUV vor uns spontan das Hirn ein. Die Erkenntnis hier falsch anzustehen, traf sein Bewusstsein hart und erbarmungslos. Schnell also die Warnblinkanlage eingeschaltet und die Sperrfläche vor dem Abbiegestreifen angeschlichen. Dumm dreinschauend ließ er uns nun doch vorbei. Na, das ging ja gut los, der Vollmond hat wohl doch für einige Gezeitenströmungen im Hirnwasser unserer Mitmenschen gesorgt. Diese humane Lebensform war nur der Anfang.

Gut ging es weiter, schnell wurden die Verkäufer aufs Gelände geholt, bei der Einfahrt bereits abkassiert und von wirklich gut organisierten Einweisern wurde uns ein Platz zugeteilt. An dieser Stelle ein großes Lob an die Organisatoren des Flohmarkts Riem!

Kaum, das wir die Türen zum Aussteigen geöffnet hatten, stand auch schon der erste Schnäppchenjäger bereit und warf uns ein „Telefon?“ in den Gehörgang. Allerdings so schnell gesprochen, das die Übersetzung der Schallwellen im Mittelohr nur wenige Buchstaben an das Gehirn weiterleiten konnte. So verstanden meine Frau und ich zunächst nicht mehr als „Tlefn?“

Nun kann ich von mir behaupten, doch einigermaßen Sprachbegabt zu sein. So konnte ich ein „sptr“ zurückgeben, in der Hoffnung, das in der Sprache meines Gegenüber Gleichlaute nicht gesprochen wurden. Jedenfalls nickte er und zog weiter.

Wir machten uns daran, den zur Verkaufsplattform zweckentfremdeten Tapeziertisch aufzubauen. Erste Kisten mit Verkaufsgut wurden ausgeladen und versucht auf den Präsentierteller Tapeziertisch zu legen. Kaum das meine Frau eine Schachtel mit einem unbenutztem Parfum hingelegt hatte, wurde diese auch schon vom ersten Kunden an sich gerissen. Wenige Sekunden später wechselten Geld und Ware ihre jeweiligen bisherigen Besitzer. Verdutzt sahen wir uns an und dachten das selbe: ‚Sind die vom Himmel gefallen? Wo kamen die so plötzlich her?“

Diesen Gedanken noch nicht ganz zu Ende gedacht hob sich ein blond behaarter Kopf von unten über die Tischkante. „Ich hab hier zehn DVDs, was kosten die?“ Auch hier wechselte schnell Geld und Ware den Eigentümer. Außerdem waren wir uns sicher, die Kundin war direkt aus dem Boden gewachsen. Vermutlich werden am Wochenanfang hier Kundensamen gesät die am Wochenende bereits zu ausgewachsenen Kunden gereift sind. Noch ein paar andere kleine Geschäfte wurden noch während des Aufbaus gemacht und wir waren guter Dinge, das es ein guter Tag würde.

Vorweggenommen, wir haben keinen Grund zu klagen, mit dem Erlös sind wir recht zufrieden.

Aber was sonst so an Gestalten zu uns an den Stand kam, kannte ich nur aus Raumschiff Enterprise, Star Wars und sonstigen alienhaltigen Filmen. Runing Gag bis ca. 10:30 Uhr waren zwei … Ok, ich bewege mich hier in der Öffentlichkeit und habe mich einigermaßen politisch korrekt auszudrücken…. zwei Mitbürger mit höchstwahrscheinlich afroamerikanischem Abstammungshintergrund. Für mich als Laien folgte dieser Schluss aus Rastafrisur und extrem dunkler Hautfarbe. Karibik konnte ich schnell ausschließen, dort wird meines Wissens nach viel französisch und auch spanisch gesprochen. Wenn diese beiden sich untereinander unterhielten klang das ähnlich wie „Ullulu ulug ullalalug“ und ich tippe auf irgendwo in Afrika. Sie begehrten meine ausrangierte Stereoanlage bestehend aus einem Marken Radiotuner integriert in einem Verstärker zu einem 5.1 Dolby Surroundsystem. Daneben stand noch ein Festplattenrekorder mit integriertem DVD-Brenner und VHS-Kassettenlaufwerk. Meine Preisvorstellung war sicher nicht übertrieben, wie ein späterer Verkauf mit bestätigte, doch diese beiden meinten, es würden 10 € doch beinahe noch zu teuer sein. Gut, die beiden waren gut drauf, waren lustig und nicht wirklich aufdringlich. Von daher galt das Duo für uns noch als angenehmes Vergnügen. Zumindest sahen sie zunächst ein, das sie mit 10 Euro keine Chance bei mir hatten.

Damit aber Schluss mit lustig. Sehr viel von unseren gesammelten Flohmarktwaren sollten bei Preisen zwischen 50 ct und 5 Euro den Besitzer wechseln. Unglaublich, was es dabei zu erleben gab.

Hier eine gebrochen deutsch sprechende Osteuropäerin, die den Preis für ein Schmuckset aus Silber (Ohrringe, -vollständig um beide Ohren zu schmücken- Halskette mit Anhänger und einem Armband) von 5 Euro auf 50ct herunter handeln wollte. Genaugenommen nicht handeln wollte, denn für sie stand fest, dafür auf keinen Fall mehr als 50ct bezahlen zu wollen, weil es nicht mehr wert wäre. Später ging das Set für über 5€ weg, weil ein anderer Kunde von sich aus mehr bat. Nach wie vor waren DVDs der Renner, recht schnell leerte sich die Kiste, in der sie angeboten wurden. Dazu hatte ich diverses an elektronischen Geräten dabei. Preislich eh kurz vor dem verschenken, wurde auf Teufel komm raus gehandelt und die ungeheuerlichsten Preise wurden versucht zu erreichen. Ins Detail mag ich hier nicht gehen, aber den Bären, das ein gleicher Artikel in der „Ich-bin-doch-nicht-blöd“ Warenhauskette NEU billiger sei, lasse ich mir nun wirklich nicht aufbinden. Logisch, die Artikel, die ich anbat, waren nicht mehr aktueller Stand der Technik. Dennoch kann ich mit Fug und Recht behaupten, bereits unter Wert angeboten zu haben. Das Zeug sollte ja weg und nicht wieder in meiner Wohnung landen.

Daher frage ich mich, ob diese Mengen von Mitbürgern, die ziemlich offenkundig nicht deutscher Abstammung waren/sind tatsächlich davon ausgehen, dass all das, was wir feil baten uns wie im Schlaraffenland einfach mal zugeflogen war und somit wir die Artikel eigentlich noch mit einem kleinen Geldgeschenk zu versehen haben. Nachdem es inzwischen doch schon 8:00 Uhr geworden war, standen meine afroamerikanischen „Freunde“ wieder neben mir und hatten tatsächlich ihr Gebot für die Anlage auf 15 Euro erhöht. Nun, wir haben eine Weile herzhaft gehandelt und gelacht. Dann zogen sie wieder ab.

Dafür tauchten eher murrige und knurrige Asiaten auf, vermutlich China, Korea oder Vietnam. Sorry, so genau kann ich das nicht unterscheiden, vermutlich war es eine gute Mischung aus allen. Sie verhandelten hart und doch fair. Fast immer wurden wir uns einig. Zwischendurch immer wieder echte Überraschungsverkäufe, bei denen wir uns relativ sicher waren, es in der nächsten Woche dem Müll zu übergeben.

Eine echte Unverschämtheit waren drei junge Türkinnen, die sich drei Bilder und einen Lockenstab ausgesucht hatten. 4 Euro hätten sie geben sollen. 1 Euro für die Bilder und 3 für den Lockenstab. Dann legte sie die Bilder wieder weg und wollte den Lockenstab mit nur einem Euro bezahlen. Sie waren vollkommen entsetzt darüber, das wir auf diesen Kuhhandel nicht eingingen. Jetzt lasten einige Verwünschungen, in türkischer Sprache ausgesprochen, über uns. Vielleicht auch Flüche, wir hatten unseren Universalübersetzer daheim gelassen.

So gegen 9:00 Uhr tauchten die seltsamsten Wesen auf. Viele gingen, schlichen, krochen und schwebten an uns vorbei. Keine Ahnung von welchem Stern oder aus welchem Erdloch die kamen, irgendwie hinterließen sie ein unbehagliches Gefühl. Bis sie wieder auftauchten. Das Wir-wollen-die-Anlage-Duo. Immerhin, sie hatten ihr Gebot auf 20 erhöht, doch ich blieb hart. Dann kam der besser deutschsprechende auf die Idee, bei meiner Frau mehr Erfolg haben zu können. „Hey Mama, hast großes Herz für kleinen, armen schwarzen Mann. 20 Euro ist viel für mich, wenig für deinen großen Mann. Komm schon, Mama.“

Ohne Mist jetzt, der Typ war wirklich gut drauf und blieb nett sowie freundlich. Allein wegen dem Humor waren wir fast geneigt auf das Angebot einzugehen. Dann allerdings kam ein dritter dazu. Etwas kleiner, schmächtiger noch als die beiden aus dem Duo. Dicke Goldkette um den Hals, die seiner Halswirbelsäule einen ungesunden Knick verschaffte und ein Basecap auf dem Kopf, das ihn zumindest optisch um rund 10cm größer machte. Dieser Typ fragte nach dem Preis, Nr. 2 aus dem Duo nannte ihn in seiner Sprache. Es folgen exakt zwei unverständliche fremd klingende Worte von dem dritten Man.. nein, Bosszwerg (Also Mann kann ich jetzt wirklich nicht sagen, weil der kauft sicher bei C&A Kids ein…) und mein lustiges, freundliches Duo zog seine Rastalocken ein und kuschten hinter dem Bosszwerg her.

Wenig später konnte ich zunächst den Festplattenrekorder verkaufen und kurz vor dem heimfahren auch den Rest der Anlage für zusammen über dem letzten Gebot vom Rastalocken-Duo.

Fazit

Auch wenn sehr, wirklich sehr viele der Meinung sind, wir hätten besser noch Geld dazu gegeben, so war die Masse doch freundlich, nett und blieb in einem realistischem Verhandlungsrahmen.

Überraschend war, dass sich der größte Kitsch leicht verkaufen ließ. Spiele, ich meine jetzt keine Computerspiele, lockten zwar Interessenten an, aber selbst für ein Spiel wie „Die Siedler von Catan“ war ein einem fast neuwertigem Zustand 5 Euro noch zu hochpreisig und abschreckend genug.

Soll ich euch was verraten? Ich würde es jederzeit wieder tun.

Bitte bleibt mir gewogen!

Euer

Marcus Sammet

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Ein Kommentar zu Ein Tag auf dem Flohmarkt …

  1. Manuela Hahn sagt:

    Hallo Marcus,
    das erlebt man wohl auf jedem Flohmarkt, das war aber schon immer so. Bei manchen Dingen setze ich die Preise so hoch an, das ich mich so richtig schön runter handeln lassen kann und immer noch das bekomme was ich haben will ;O)
    Den Deutschen fehlt leider die Feilschkultur und die anderen übertreiben es manchmal schon sehr, da bleibt nur hart bleiben ;o) Und hauptsache es hat Spaß gemacht und am Ende bleibt genug für einen Kaffee und ein Eis in der Kasse.

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