Die Armlänge

Auch mir ist klar, die seit Silvester den Frauen dieser Welt empfohlene Armlänge Abstand ist eher symbolisch gemeint und soll bedeuten, das Frauen niemand näher an sich heran lassen soll, als unbedingt nötig. Drum weise ich gleich hier darauf hin, der Rest des Textes heute enthält Ironie, Spuren von Sarkasmus und eine Prise schwarzen Humors.

Köln und alles was danach kam ist sicher nichts, worüber ich mich lustig machen mag. Allerdings, was dann danach alles zu finden war, war ja wohl politische Satire vom feinsten. Insbesondere die Geschichte mit der Armlänge. Gut, eine Nadja Auermann oder Franziska von Almsick mit ihren Größen von ca. 1,80 m haben sicher auch entsprechend lange Arme um sich einen fremden Mann mit einer Größe von 1,70m  auf Distanz zu halten. Jetzt kenne ich aber reichlich Frauen, die deutlich kleiner sind als ich. Selbst wenn die Grund hätten, mich eine Armlänge auf Abstand zu halten, hätte ich, so ich es wollte, keinerlei Probleme sie an der Brust oder etwas unterhalb der Hüfte anzufassen. Ich denke mal, ich muss keine weiteren Beispiele anführen um die Absurdität dieses Sicherheitsabstandes aufzuzeigen.

Allerdings möchte ich von einem Ereignis der heutigen Morgenstunden diesbezüglich berichten. An meiner U-Bahn Haltestelle am Bahnsteig im Stand dösend auf den Zug wartend, hing ich meinen noch nicht vorhandenen Gedanken nach. Eine weitere Gehirnzelle beschäftigte sich mit dem Finale in meinem neuen Thriller Axt, infiziert mit ihrer Begeisterung ruck-zuck den ganzen zur Verfügung stehenden Rest des Hirns. Kalter Wind kommt auf und das frösteln riss mich aus meinem Kopfkino, gerade als es richtig spannend wurde. Mit dieser Bahn fahre ich schon recht lange und so kenne ich auch die Punkte, an denen ich direkt vor einer Tür stehe, wenn der Zug denn steht. So auch heute morgen. Erst nur aus den Augenwinkeln und wegen der seltsam kratzigen, piepsigen Stimme aufmerksam geworden, registriere ich so einen 3,5 Käse hoch von einem Wesen, welches biologisch gesehen sicher als Weibchen durchging. Der sich stetig verlangsamende Zug brachte eine sich meinem Standpunkt nähernde Tür mit. Leider auch ein krächzenden, keifendes, sehr wahrscheinlich weibliches Wesen von ungefähr 1,50 Metern Höhe inklusive der eher flachen Absätze ihrer Winterstiefel, die so wirkten, als hätte sie Big-Foot gefunden und seine Füße zu Stiefeln umfunktioniert. Nun, jedenfalls kam die näher und näher. Beide Arme von sich waagerecht weggestreckt und ständig rufend: „Abstand, Armlänge Abstand!“ Naiverweise bin ich davon ausgegangen, das diese Sicherheitsfanatikerin anhalten würde, sobald sie merkt, das da ein Mann steht. Was soll ich sagen, dieser weibliche Golom rammte mir die Handfläche am Ende ihres ausgestreckten Armes voll gegen meinen Ellenbogen und keifte mich an: „Abstand! Eine Armlänge!“ Da mir klar war, das es wenig Sinn haben würde mit diesem Wesen zu diskutieren sagte ich gar nichts und versuchte es mit Blicken zu töten. Leider ist die Macht nicht mit mir, weder die der hellen, noch die der dunklen Seite. Yoda in der weißen, weiblichen Ausführung hüpfte in die U-Bahn, nahm einen Platz ein verscheuchte jeden, der sich neben ihr setzen wollte mit einem lauten, aggressiver werdendem: „ABSTAND! EINE ARMLÄNGE!“ Zwei Stationen weiter stieg ein echter Hüne ein. Locker 2 Meter hoch und im Schulterbereich ählich breit. Geschätzt 150 Kilo lebendgewicht, offenbar das meiste davon Muskelmasse. Woher ich das weiß, trotz Winterkleidung? Der Mann ist mir bereits im Sommer mehrfach aufgefallen. Unbeeindruckt von allem, hockte der sich auf den freien Platz neben Yoda, welche sofort die Arme hochriss und das altbekannte „Abstand! Eine Armlänge!“ von sich gab. Der Typ, den ich bis dahin nie reden gehört hatte und ich immer irgendwie das Gefühl hatte, das er Russe oder zumindest aus der Richtung stammen könnte, gab nach dem gefühlt 20. „Abstand…“ ein „SCHNAUZE!“ von sich, das sicher im Zug vor uns auch noch gehört werden konnte. Einen Augenblick war Ruhe. Nicht nur neben ihm. Jeder im Zug schwieg. Man hätte die berühmte Stecknadel nicht nur fallen, sondern im Sturz auf den Boden noch „Flieger, grüß mir die Sonne..“ singen hören können. Dieses Bild noch vor Augen drang ein „Abstand! Eine ganze Armlänge! Ich habe ein Recht darauf!“ an mein Ohr. Dann hatte ich einen Augenblick Angst, der Typ atmet zu heftig ein und der keifende Zwerg würde in den Nasennebenhöhlen des Hünen verschwinden. „Wennscht nit glei ruisch bischt, zoigi dir, wasch paschiert, wenscht versuscht mi mit doi Stumpa uff Abschtand schu holte.“ (Wenn ichs schwäbische nicht ganz korrekt hier wiedergebe, verzeiht. Ich bin nicht groß im Dialektsprechen bzw. schreiben). Ganz als würde Yoda aus seinen Yoga Entspannungen aufwachen, gab es kleinlaut von sich: „Aber die Merkel hat doch gesagt, wir Frauen sollen Männer auf eine Armlänge Abstand halten.“ Der schwäbische Hüne streckte seinen linken Arm aus und meinte in versöhnlichem Ton: „Moinscht wirklisch, dasch bringt wos?““

Am Hauptbahnhof bin ich dann ausgestiegen und dachte mir ‚Der Tag ist gerettet, schon so früh morgen Life-Comedy, YES!‘

Habt ein wunderbares Wochenende und ich wünsche euch den schönsten Freitag dieser Woche.

Bitte bleibt mir gewogen!

Euer
Marcus Sammet

 

PS: das mit der Armlänge ist nicht von unserem Bundes-Merkel sondern stammt aus Köln von der Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

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2 Kommentare zu Die Armlänge

  1. Andrea sagt:

    Da wäre ich gern dabei gewesen *lachenduntermtischliege*

  2. Annette sagt:

    Lieber Marcus,
    Deine kleinen Anekdoten finde ich immer wieder klasse. Hab Dank, dass Du uns daran teilhaben lässt.
    Ich nehme Dich einfach lieb in den Arm, denn Dich braucht Frau nicht auf Abstand zu halten 😉
    Liebe Grüße aus Essen – was weiter als eine Armlänge entfernt von Dir ist – sendet Dir
    Deine Annette

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